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Leitartikel


DER WIENER PSYCHOANALYTIKER möchte nicht nur bereits international etablierten Psychoanalytikern/Innen, sondern auch noch unbekannten Psychoanalytikern/Innen die Gelegenheit geben einen selbstverfassten, bisher noch nicht publizierten Artikel auf der Titelseite unseres Onlinemagazins zu posten!

Im Forum werden dann dazu alle User Stellung nehmen, Fragen formulieren und kommentieren können. Wir wollen dadurch einen bisher so noch nicht dagewesenen, internationalen Gedankenaustausch zwischen Psychoanalyse-Interessierten ermöglichen.
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(Werden Personenbezeichnungen aus Gründen der besseren Lesbarkeit lediglich in der männlichen oder weiblichen Form verwendet, so schließt dies das jeweils andere Geschlecht mit ein.)

5 Königliche Verbindungen zur Psychoanalyse

Autor/in: Sabrina Zehetner (DWP)

(05.04.2017)
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Royaler Besuch!  Prince Charles und Camilla statten heute Wien einen Besuch auf ihrer Europa-Tour ab. Mit Freuds Emigration nach Großbritannien, gewann die Psychoanalyse in England an Popularität. Was aber verbindet die Psychoanalyse mit der britischen Monarchie? Eine Geschichte über tapfere Spione und exzentrische Prinzessinnen.
 

Prinzessin Alice von Battenberg (25.2.1885-5.12.1969)

Die bekannteste königliche Patientin Freuds war - neben Marie Bonaparte -  wohl die von Geburt an taube Prinzessin Alice von Battenberg, Mutter von Prinz Philip und Schwiegermutter von Königin Elisabeth II.  Ihr Ehemann Andreas von Griechenland und Dänemark musste das Land nach einer Niederlage gegen die Türken verlassen und entging - dank königlicher Unterstützung - der Exekution.  Die Familie zog in eine Pariser Vorstadt, wo Alices Verhalten immer exzentrischer wurde. Die Interessen der Prinzessin waren zusehends von spiritueller Natur - Religion und Mystik wurden ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens und sie war der festen Überzeugung mit Buddha und Jesus Christus in Kontakt zu stehen und heilende Kräfte zu besitzen. Sie vertiefte sich bis zur Erschöpfung in die Kunst des Handauflegens, war besessen von Okkultismen und ernannte sich selbst zur Heiligen. Schließlich wurde Alices Gynäkologe Dr. Lourus konsultiert, der eine Psychose diagnostizierte und die Prinzessin zu Dr. Ernst Simmel, einem frühen Mitarbeiter Freuds, nach Tegel zur Psychoanalyse schickte - Simmels Diagnose: Paranoide Schizophrenie.

Seiner Meinung nach litt Alice an einer neurotischen, vorpsychotischen, libidinösen Verfassung und bat Sigmund Freud um Rat. Freud riet dazu die weiblichen Keimdrüsen zu röntgen, um ihre Menopause zu beschleunigen und in Folge dessen Alices Stimmungsschwankungen zu lindern. Kurz darauf verließ Alice die Klinik, obwohl sich ihr Zustand weder geistig noch physisch wesentlich gebessert hatte. Die Freiheit war jedoch nur von kurzer Dauer, denn Alice wurde bald darauf gegen ihren Willen und mit Hilfe eines Betäubungsmittels in die bekannte Bellevue Klinik nach Kreuzlingen gebracht. Der Leiter des Sanatoriums, Doktor Binswanger, war Schweizer Psychiater und Psychotherapeut und ein ehemaliger Schüler von C.G.Jung. Mit Freud verband ihn eine enge und lebenslange Freundschaft. Noch immer war Alice davon überzeugt völlig gesund zu sein und in Kontakt mit Christus zu stehen. Sie versuchte unentwegt ihre Freiheit wiederzuerlangen, bis sie nach einem langwierigen Heilungsprozess 1938 nach Athen zurückkehrte.


Walter Freud (3.4.1921-8.2.2004)

Walter Freud hatte ein äußerst abenteuerliches Leben. Der Enkel Sigmund Freuds, Sohn von Jean-Martin Freud und Ernestine Drucker, musste während des zweiten Weltkriegs mit seinem Vater vor den Nationalsozialisten nach Großbritannien fliehen, wo er Luftfahrttechnik studierte. Als das deutsche Militär in Frankreich einmarschierte, wurde er zusammen mit seinem Vater als Teil der „enemy aliens“ interniert und nach Australien gebracht. Kurz nach seiner Rückkehr nach England, trat er zuerst dem Royal Pioneer Corps und später dem britischen Geheimdienst (the Special Operations Executive) bei. Freuds Deutschkenntnisse waren wertvoll und führten ihn zurück in seine Heimat Österreich, wo er den Briten dabei helfen sollte eine britische Präsenz im Widerstand gegen die rote Armee aufzubauen. Er landete mit anderen Agenten per Fallschirm in der Oststeiermark. Freud hatte allerdings seine Kameraden beim Absprung verloren und war von da an auf sich allein gestellt. Er schaffte es sich bis nach Zeltweg durchzuschlagen, gab sich als Repräsentant der British Eight Army aus und forderte den Kommandanten zur Übergabe des Flugplatzes auf und wurde schließlich der US-Armee übergeben.  Nach dem Krieg war maßgeblich er an der Erforschung von Kriegsverbrechen in Bad Oeynhausen in Deutschland beteiligt – darunter die Fälle Krupp und Bruno Tesch, der an der Herstellung von Zyklon B beteiligt war.


Diana, Princess of Wales (1.7.1961-31.8.1997)

Leben und Tod von Lady Di beschäftigen bis heute viele Autoren und Psychoanalytiker. Kaum bekannt ist die indirekte Verbindung zwischen Dianas Familie und den Freuds: Matthew Freuds ehemalige Partnerin Caroline Hutton heiratete nach der Scheidung des Paares Dianas Bruder Charles Edward Maurice Spencer.  Diana selbst war auf Grund ihrer Essstörungen in psychoanalytischer Behandlung bei der berühmten Analytikerin Susie Orbach. Orbach beschäftigt sich im Speziellen mit der Beziehung zwischen Frauen und ihrem Körperbild und untersucht Beziehungsdynamiken von heterosexuellen Paaren. Orbach wurde unter anderem vorgeworfen verantwortlich für Dianas Interview mit Martin Bashir zu sein und ihr die Worte in den Mund gelegt zu haben – eine Behauptung, die Susie Orbach später entschieden dementierte. Angesprochen auf Dianas Leben als feministische Parabel, antwortete sie in einem Interview in der der New York Times:

“Do I think the transformation of a socially privileged but emotionally neglected child to a fairy tale princess, to a woman with a problematic marriage who turns around a sense of victimization to become a real activist in the world and fighter for people´s rights as a feminist parable? Sure!“


Lucian Freud (8.12.1922-20.7.2011)

Der Enkel von Sigmund Freud malte das kontroverse Portrait Queen Elizabeths in einem Zeitraum von 19 Monaten in den Räumen des St. James Palace. Die Veröffentlichung löste einen Sturm der Entrüstung in der britischen Presse aus. Die Sun sprach von einer „Travestie“ und der Daily Telegraph bezeichnete das Porträt als „extrem unvorteilhaft“, räumte aber ein, dass Lucien Freud mit dem Bild das ausgeprägte Pflichtbewusstsein der Queen eingefangen hatte. Kunstkritiker und Qualitätsmedien waren in ihrer Beurteilung etwas milder und größtenteils voll Lob für das Werk. Es ist außerdem zu bezweifeln, dass die Queen zugestimmt hätte, wenn ihr Freuds ehrlicher und moderner Stil missfallen wäre. Das Bild ist heute Teil der Sammlung der Queens Gallery im Buckingham Palace.


Die neue Generation

Sowohl die Herzogin von Cambridge als auch Prinz Harry treten aktiv für die psychische Gesundheit von Kindern und traumatisierten Soldaten ein. Kate Middleton widmet ihr Engagement vor allem der geistigen Gesundheit von Müttern und deren Kindern. Prinz Harry gründete 2014 die Invictus Games Foundation, ein paraolympisches Sportevent für verletztes Militärpersonal, benannt nach dem Gedicht „Invictus“ von William Ernest Henley. Weiters unterstützen sowohl Prinz Harry als auch Herzog und Herzogin von Cambridge die „Heads Together“ Kampagne, die dem Stigma rund um psychische Krankheiten ein Ende bereiten will. Das von Kate Middleton unterstützte und häufig besuchte Anna Freud Center repräsentiert eines der vielen Partnerorganisationen.


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