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Leitartikel


DER WIENER PSYCHOANALYTIKER möchte nicht nur bereits international etablierten Psychoanalytikern/Innen, sondern auch noch unbekannten Psychoanalytikern/Innen die Gelegenheit geben einen selbstverfassten, bisher noch nicht publizierten Artikel auf der Titelseite unseres Onlinemagazins zu posten!

Im Forum werden dann dazu alle User Stellung nehmen, Fragen formulieren und kommentieren können. Wir wollen dadurch einen bisher so noch nicht dagewesenen, internationalen Gedankenaustausch zwischen Psychoanalyse-Interessierten ermöglichen.
Aktuelle Textsprache ist Deutsch und/oder Englisch.

Bei Interesse, Ihre Zusendungen bitte an:
leitartikel@derwienerpsychoanalytiker.at


(Werden Personenbezeichnungen aus Gründen der besseren Lesbarkeit lediglich in der männlichen oder weiblichen Form verwendet, so schließt dies das jeweils andere Geschlecht mit ein.)

IM GESPRĂ„CH MIT

Autor/in: JULIE RESHE / DWP

(23.12.2015)
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In unserer Interviewreihe "im Gespräch mit" stellen wir kurz die Autoren der Leitartikel vor.
Damit wollen wir unseren Usern die Möglichkeit geben, die Leitartikel auch aus einer anderen Perspektive heraus lesen zu können.


Diese Woche freuen wir uns ganz besonders Julie Reshe zu begrüßen:

Sie ist ein hervorstechende junge Philosophin, Intellektuelle und Künstlerin. Sie ist zurzeit eine der Direktoren des Instituts für Psychoanalyse (The Global Center for Advanced Studies). Durch Erkenntnisse aus der Philosophie, Psychoanalyse, Neurowissenschaften und der Kunst, fokussiert sie ihren multidisziplinären Ansatz auf Fragen des kulturellen Posthumanismus. Artikulation des nicht-menschlichen, des Subjekt-Übergreifenden und des Modifizierbaren, beanstandet ihre Kritik die traditionelle Lebensweise. Ihre Forschungsinteressen umfassen sowohl die Evolution der Sprache und der Kultur, Bildung, Studien über Kindheit, als auch Gender und Sexualität. Julie Reshe veröffentlicht regelmäßig in Mainstream-Zeitschriften und geschätzten Fachzeitschriften. Sie hat einen MA-Abschluss in Philosophie von der Nationalen Taras-Schewtschenko-Universität Kiew. Julie studierte auch Kulturtheorie an der Nationalen Universität Kiew-Mohyla Akademie. Sie erhielt ihren Doktortitel in Philosophie und Psychoanalyse in Slowenien, wo sie unter der Aufsicht von Alenka Zupančič am Institut für Philosophie der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste studierte.


Жюли Реше – незаурядный молодой философ, интеллектуал и фотограф. В настоящее время она является директором Института психоанализа Глобального центра передовых исследований. Исходя из философии, психоанализа, нейронауки и теории искусства, ее междисциплинарный подход сосредоточен на теме культурного постгуманизма. Артикулируя не-человеческое, транс-субъективное и модифицируемое, ее критика оспаривает традиционные способы жизни. Ее научные интересы включают эволюцию языка и культуры, теорию образования, а также исследования детства и сексуальности. Жюли регулярно публикуется как в публицистических, так и в научных изданиях. Она имеет степень магистра философии Киевского национального университет имени Тараса Шевченко. Жюли также изучала теорию культуры в Национальном университете "Киево-Могилянская академия" . Она получила докторскую степень в области философии и психоанализа в Словении, где она училась под руководством Аленки Зупанчич в Институте философии Словенской академии наук и искусств.



DWP: Was brachte Sie zur Psychoanalyse? Что привело вас к психоанализу?

Julie Reshe: Mich hat die Psychoanalyse angezogen, als Bereich zum Erforschen nicht als eine Doktrin. Was ich am meisten an ihr mag, ist ihre Tendenz, welche von Freud festgelegt wurde, intuitives Wissen und gemeinsame Vorstellungen darüber, wie unser Geist arbeitet, auf der Grundlage von wissenschaftlichen Ansätzen, zu widerlegen. Меня привлекает псхоанализ как сфера исследования, а не как доктрина. Более всего мне импонирует его тенденция, установленная Фрейдом, ниспровергать, основываясь на научном подходе, интуитивные знания и общепринятые предубеждения о том, как работает наше сознание.


DWP: Wenn Sie die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Sigmund Freud hätten, was würde wohl zum Thema werden? Gibt es konkrete Fragen? Если у вас была возможность поговорить с Зигмундом Фрейдом, какую бы вы выбрали тему? Есть ли у вас какие-то конкретные вопросы?

Julie Reshe: Ich denke, das Buch ist die intimste Art, mit dem Autor zu sprechen. Aber in jedem Fall, würde Ich gerne mit ihm über die gegenwärtige Situation in der Psychoanalyse reden, um seine Reaktion zu sehen, wie sie sich entwickelt hat. Ich glaube, er wäre glücklich darüber, wie sich die Dinge geändert haben, insbesondere würde ihm die Idee von der Integration der Psychoanalyse mit den Neurowissenschaften gefallen. Doch ist, im Großen und Ganzen, die Präsenz von Freud in unserer Zeit natürlich Unsinn. Ich erkenne ihn nicht als Vater der Lehre von der Psychoanalyse an, für mich ist er der Initiator von der ersten Phase ihrer Entwicklung. Я думаю, что книги – это наиболее интимный способ разговора с автором. Но в любом случае, мне бы хотелось поговорить с ним о современной ситуации с психоанализом, узнать какой будет его реакция на то, как он преобразовался. Мне кажется, Фрейд бы был доволен тем, как все изменилось, в особенности ему бы понравилась идея интеграции психоанализа с нейронаукой.
Хотя, по большому счету,  Фрейд в современности – это, конечно же, нонсенс.  Я не считаю его родоначальником доктрины психоанализа, для мнея он лишь  начальный этап его становления.



DWP: Stoff- oder Ledercouch? Кушетка из ткани или кожаная кушетка?

Julie Reshe: Wenn ich wählen müsste, würde ich sagen, Stoff, der ist gemütlicher. Allerdings im Allgemeinen scheint es mir, dass die fortschrittlichste Form von Therapiesitzungen eine interaktive ist, eine ohne tatsächliche physische Präsenz des Analytikers. Also, mit der weiteren Entwicklung der Online-Technologien ist das Problem der Couch, wahrscheinlich schon bald irrelevant. Если нужно выбирать,  то из ткани, она более уютная. Хотя мне кажется, что самая прогрессивная форма сеансов – интерактивная, без реального физического присутствия аналитика. Так что, скорее всего, последующее развитие онлайн технологий сделает проблему выбора кушетки неактаульной.


DWP: Ganz nach Bruno Bettelheim, der auf die Bedeutung vom Märchen hinwies. Verraten Sie uns Ihr Lieblingsmärchen? Und erkennen Sie Parallelen zur Entwicklung Ihres Lebens? Бруно Беттельгейм отметил важность сказок для ребенка. Расскажите нам вашу любимую сказку. И видите ли вы параллели с вашей взрослой жизнью?

Julie Reshe: Soweit ich mich erinnere, habe ich mich immer mehr mit den Kräften des Bösen und der Finsternis assoziiert. Dies ist ganz im Einklang mit meinem aktuellen philosophischen Konzept, da ich für die Verletzung der traditionellen Ordnung bin, welche in der Wahrnehmung des gesunden Menschenverstandes nur durch die göttlichen Kräfte bestimmt zu werden scheint. Ich bestehe auch auf die Notwendigkeit des radikalen Umdenkens, die aus der Sicht des gesunden Menschenverstandes, als sündhaft angesehen wird. Кажется, я все время ассоциировала себя с нечистой силой. Это очень соотвутсвует моей сегодняшей философской позиции – я за нарушение устоявшегося порядка, который, в рамках common sense ассоциируется с силами добра. Я также настаиваю на необходимости радикального переосмысления,  которое в рамках традиционной перспективы восприятия представляется злом.


DWP: Ich träume… Я мечтаю…

Julie Reshe: Ich träume nicht, I bevorzuge zu planen und meine Pläne in die Tat umzusetzen. Zu planen ist die direkte und effizientere Art mit der Wirklichkeit umzugehen. Träumen ist für Waschlappen. Я не мечтаю, я планирую и осуществляю планы. Планирование – более непосредственный и эффективный способ взаимодействия с реальностью. Мечты для зануд.


DWP: Was finden Sie an der Psychoanalyse gut bzw. besonders gut und gibt es etwas was Sie an ihr nicht mögen? Что вам нравится и что вам не нравится в психоанализе?

Julie Reshe: Nun, wie ich schon sagte, ich habe eher eine kritische Perspektive auf die Psychoanalyse. Ich sehen sie nicht, als eine fertige Lehre an oder als eine Methode der Therapie der es zu folgen gilt. Ich denke, dass die vielversprechendste Zukunft der Psychoanalyse darin liegt, sie mit den Neurowissenschaften zu vereinigen.
Eigentlich folge ich hier Freud, dessen Denken Lacan als Gedanken n Bewegung beschrieben hat. Was mich in der Psychoanalyse anzieht, ist ihre Bewegung in Richtung der Entdeckung neuer und unbekannter Schichten des menschlichen Geistes. Ich sehe die Psychoanalyse als Prozess, nicht als ein Dogma. Как я уже сказала, у меня скорее критическая  точка зрения на психоанализ. Я не воспринимаю это как готовую доктрину или методологии терапии, которой нужно придерживаться.  Я думаю, что наиболее перспективное будущее для психоанализа – это его слияние с нейронаукой.
На самом деле, здесь я следую Фрейду, чье мышление Лакан описал как мысль в движении.
Меня привлекает в психоанализе его движение по направлению к раскрытию новых неизвестных ранее слоев человеческого сознания. Я воспринимаю психоанализ как процесс, а не как догму.




DWP: Welchen Herausforderungen mussten Sie sich während Ihrer analytischen Ausbildung stellen? С какими трудностями вы сталкивались во время обучения психоанализу?

Julie Reshe: Jede Form von Wissens- und Kompetenzerwerb ist in sich selbst eine Herausforderung. Daher sehe ich keinen wesentlichen Unterschied zwischen Ausbildung und Praxis. Das Letztere von Beiden bedeutet Lernen, wahrscheinlich besteht der einzige Unterschied darin, dass das Niveau der Herausforderung, je weiter man ist, zunimmt. Любая форма приобретения знаний и навыков сама по себе предполагает трудность. Кроме того, я не вижу существенной разницы между обучением и практикой. Последнее также предполагает обучение, вероятно, единственное различие заключается в том, что уровень сложности увеличивается по мере того, как вы продвигаетесь.


DWP: Haben Sie ein Lieblingszitat von Freud? Есть ли у вас любимая цитата из Фрейда?

Julie Reshe: „[...] drängte sich uns der Gesichtspunkt auf, dass die Anlage zu den Perversionen die ursprüngliche allgemeine Anlage des menschlichen Geschlechtstriebes sei, aus welcher das normale Sexualverhalten [...] entwickelt werde.“
“Становится в конце концов невозможным не признать в предрасположении ко всем перверсиям нечто общечеловеческое и изначальное”.


DWP:  Außer Sigmund Freud, gibt es Psychoanalytiker mit denen Sie sich auch gerne auseinandersetzen? Кроме Зигмунда Фрейда, есть ли психоаналитики, которых вам нравится изучать?

Julie Reshe: Slavoj Zizek, Alenka Zupančič, Mladen Dolar, Bracha L. Ettinger, Bronisław Malinowski, Karen Horney. Славой Жижек, Аленка Зупанчич, Младен Долар, Браха Л. Эттингер, Бронислав Малиновский, Карен Хорни.

Herzlichen Dank für dieses Gespräch, wir freuen uns bereits jetzt Alle auf Ihren Leitartikel!



Kontakdaten der Autorin:
Julie Reshe


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