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Leitartikel


DER WIENER PSYCHOANALYTIKER möchte nicht nur bereits international etablierten Psychoanalytikern/Innen, sondern auch noch unbekannten Psychoanalytikern/Innen die Gelegenheit geben einen selbstverfassten, bisher noch nicht publizierten Artikel auf der Titelseite unseres Onlinemagazins zu posten!

Im Forum werden dann dazu alle User Stellung nehmen, Fragen formulieren und kommentieren können. Wir wollen dadurch einen bisher so noch nicht dagewesenen, internationalen Gedankenaustausch zwischen Psychoanalyse-Interessierten ermöglichen.
Aktuelle Textsprache ist Deutsch und/oder Englisch.

Bei Interesse, Ihre Zusendungen bitte an:
leitartikel@derwienerpsychoanalytiker.at


(Werden Personenbezeichnungen aus Gründen der besseren Lesbarkeit lediglich in der männlichen oder weiblichen Form verwendet, so schließt dies das jeweils andere Geschlecht mit ein.)

IM GESPRĂ„CH MIT

Autor/in: SEBASTIAN ZIMMERMANN / DWP

(02.09.2015)
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In unserer Interviewreihe "im Gespräch mit" stellen wir kurz die Autoren der Leitartikel vor.
Damit wollen wir unseren Usern die Möglichkeit geben, die Leitartikel auch aus einer anderen Perspektive heraus lesen zu können.


Diese Woche freuen wir uns ganz besonders Sebastian Zimmermann aus New York, U.S.A. zu begrüßen:

Psychiater in privater Praxis an der Upper West Side von New York City und ein preisgekrönter Fotograf. Nach seinem Abschluss an der medizinischen Fakultät an der Freien Universität Berlin, zog er nach New York City. Er wurde am Mount Sinai Medical Center in Manhattan ausgebildet, in Erwachsenen-, Kinder- & Jugendpsychiatrie. Dr. Zimmermanns Buch "Fifty Shrinks" wurde in zahlreichen Magazinen und Medien wie die New York Times, die New York Post, Der Spiegel, Wiener Zeitung, Datum, Falter und Marie Claire, Taiwan präsentiert.



DWP: Was brachte Sie zur Psychoanalyse? Haben Sie je eine Psychoanalyse gemacht?

Sebastian Zimmermann: Als ich meine psychiatrische Ausbildung am Mount Sinai Medical Center in New York City anfing, wurden allen Teilnehmer Supervisoren zugewiesen, die aus dem in der Nähe von New York gelegenen „Psychoanalytic Institute“ kamen, uns die Grundlagen der psychoanalytischen Theorie und Praxis beibrachten. Zum Beispiel, einer meiner ersten Vorgesetzten war Zvi Lothane, ein Expertin über Schreber, die ich auch in meinem Buch vorgestellt habe. Ich selbst habe keine klassische Psychoanalyse absolviert, aber dafür war ich in einer psychodynamischen Therapie.


DWP: Wenn Sie die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Sigmund Freud hätten, was würde wohl zum Thema werden. Gibt es konkrete Fragen?

Sebastian Zimmermann: Ich würde ihn gern fragen, was er von der Entwicklung haelt, die die Psychoanalyse an sich  durchgemacht hat seit den 1940er Jahren. Wenn ich davon ausgehen könnte, dass er heute noch am Leben wäre, würde ich gerne seine Meinung, über die relationale Psychoanalyse und die kognitive Verhaltenstherapie wissen.


DWP: Stoff- oder Ledercouch?

Sebastian Zimmermann: Ich besaß beide.


DWP: Ganz nach Bruno Bettelheim, der auf die Bedeutung vom Märchen hinwies. Verraten Sie uns Ihr Lieblingsmärchen? Und erkennen Sie Parallelen zur Entwicklung Ihres Lebens?

Sebastian Zimmermann: Ich bin ein großer Fan von Märchen vielleicht, weil die Brüder Grimm einige Zeit in meiner Heimatstadt Marburg, die noch immer ihren mittelalterlichen Charakter bewahrt hat, verbrachten um Geschichten zu sammeln. Meine Lieblingsgeschichte ist "Rapunzel." Ich finde das Bild von Rapunzel, dass ihr blondes Haar den Turm hinunterlässt, sehr fesselnd und einprägsam - vielleicht, weil es mich an das lange, blonde Haar meiner Mutter erinnert, dass sie oft in Zöpfen trug. Nicht weit von Marburg, können Sie den Turm, der als Modell für die Original-Illustration in den Brüder Grimm Märchen gedient hat, finden. Obwohl ich jetzt in der Stadt der Wolkenkratzer lebe, habe ich einen alten Rapzunzel artigen Turm in der Nähe von meinem Haus in Upper Manhattan entdeckt.
Jedesmal, wenn ich am Turm auf dem Harlem River Drive vorbei komme, stelle ich mir vor, dass es eine Frau gibt, die nur ich sehen kann. Ich fühle mich, als ob ein bisschen von der Bruder Grimm in New York City vorhanden ist.


DWP: Ich träume…

Sebastian Zimmermann: Ich träume davon eine kleine Brücke zu überqueren, die New York und Deutschland verbindet. Ich habe Kaffee und Kuchen mit meiner Familie in Deutschland, nur um für das Abendessen zu meiner Frau und meinen Kindern in New York zurück zu gehen.


DWP: Was finden Sie an der Psychoanalyse gut bzw. besonders gut und gibt es etwas was Sie an ihr nicht mögen?

Sebastian Zimmermann: Ich glaube an die Macht des Unbewussten, und ich genieße es mit Träumen zu arbeiten. Ich mag die Methode der freien Assoziation, weil sie so zuverlässig die Tiefen und den Reichtum der menschlichen Psyche ausschöpft, und so dem Analytiker und dem Patient zusammen erlauben, eine Bedeutung zuerstellen innerhalb der Sicherheit der therapeutischen Beziehung.
Ich mag es nicht wenn die Psychoanalyse in den Händen von Praktizierenden ist, die in der Anwendung der Techniken übermäßig starr sind. Zum Beispiel habe ich Psychoanalytiker erlebt, die schnell die Verantwortung auf den Patienten schieben, wenn diese zu widerstehen scheinen und nicht besser werden. Einige dieser Analysten fragen sich nie, ob vielleicht sie diejenigen sind, die fverantwortlich sind und Schwierigkeiten im Umgang mit dem Patienten haben.


DWP: Haben Sie ein Lieblingszitat von Freud?

Sebastian Zimmermann: “Wo ich auch hingehe, da ist vor mir schon ein Dichter gewesen.“


DWP: Waren Sie schon einmal in Wien?

Sebastian Zimmermann: Ich bin zweimal in meiner Jugend in Wien gewesen. Das erste Mal war ich für einen einwöchigen Schulausflug mit meinem Gymnasium dort. Das zweite Mal war in den frühen 80er Jahren, als mein bester Freund und ich von Wien nach Budapest radelten. Seitdem habe ich gelernt, dass mein Ur Ur Großvater Moritz Paar in Wien lebte und als Fotograf arbeitete, bevor er sich nach 1848 in Marburg angesiedelt hat. Ich hoffe mit meiner Frau bald Wien zu besuchen, da sie eine Fernsehserie über Freud am Anfang des 20. Jahrhunderts schreibt.


DWP: Wie sind Sie zu dem Thema Ihres Artikels gekommen, den wir nächste Woche unseren Lesern präsentieren dürfen?

Sebastian Zimmermann: Ich wollte die Leser mit mir in die Praxisräumen nehmen und sie einladen einige der bemerkenswerten Menschen, die mir liebenswürdig erlaubt, sie zu porträtieren kennenzulernen.


DWP: Gab es während der Arbeit für Ihr Buch “Fifty Shrinks” etwas, dass Sie besonders erstaunt hat, oder dass Sie nicht erwartet hatten?

Sebastian Zimmermann: Ich war überrascht darüber, wie schwer es war, den Text für mein Buch zu schreiben. Ich verbrachte viel Zeitdamit  meine fotografischen Fähigkeiten zu schärfen, aber habe es verabsäumt mein Schreiben zu verbessern. Ohne die Editierfähigkeiten meiner Frau Renée Silverman und andere befreundete Schriftsteller, wäre das Buch nicht auf die nächste Ebene gekommen. Ich habe gelernt, dass man als Autor, sehr stark von den Kommentaren  anderer profitieren kann.


Herzlichen Dank für dieses Gespräch, wir freuen uns bereits jetzt Alle auf Ihren Leitartikel!



Kontakdaten des Autors:
Sebastian Zimmermann


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