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Leitartikel


DER WIENER PSYCHOANALYTIKER möchte nicht nur bereits international etablierten Psychoanalytikern/Innen, sondern auch noch unbekannten Psychoanalytikern/Innen die Gelegenheit geben einen selbstverfassten, bisher noch nicht publizierten Artikel auf der Titelseite unseres Onlinemagazins zu posten!

Im Forum werden dann dazu alle User Stellung nehmen, Fragen formulieren und kommentieren können. Wir wollen dadurch einen bisher so noch nicht dagewesenen, internationalen Gedankenaustausch zwischen Psychoanalyse-Interessierten ermöglichen.
Aktuelle Textsprache ist Deutsch und/oder Englisch.

Bei Interesse, Ihre Zusendungen bitte an:
leitartikel@derwienerpsychoanalytiker.at


(Werden Personenbezeichnungen aus Gründen der besseren Lesbarkeit lediglich in der männlichen oder weiblichen Form verwendet, so schließt dies das jeweils andere Geschlecht mit ein.)

IM GESPRÄCH MIT

Autor/in: SONJA LIENHART / DWP

(17.06.2015)
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In unserer Interviewreihe "im Gespräch mit" stellen wir kurz die Autoren der Leitartikel vor.
Damit wollen wir unseren Usern die Möglichkeit geben, die Leitartikel auch aus einer anderen Perspektive heraus lesen zu können.


Diese Woche freuen wir uns ganz besonders Sonja Lienhart zu begrüßen:

Geboren 1988, studiert Medizin an den Universitäten Freiburg und Wien. Studentische Mitarbeiterin u.a. in der kinder- und jugendpsychiatrischen Abteilung der Universitätsklinik Freiburg (bis 2013) und an der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (seit 2015). Promotion zum Thema „Das Religionsverständnis von Sigmund Freud und Carl Gustav Jung in Darstellung und Vergleich“. Sie ist Stipendiatin des Cusanuswerkes.



DWP: Was brachte Sie zur Psychoanalyse?

Sonja Lienhart: In der Schule hatte ich einen engagierten Religionslehrer, der uns damals viel über die Religionskritik von Freud, Marx und Feuerbach beibrachte. Später traf ich auf Menschen, die sich mit Psychoanalyse auskannten oder gar als Analytiker arbeiteten. Mit ihrem Blick auf das Leben und ihrer Art zu denken konnte ich mich irgendwie identifizieren.


DWP: Stoff- oder Ledercouch?

Sonja Lienhart: Stoff verbinde ich mit Wärme und Nachgiebigkeit, Leder ist eher kühl, glatt und steril – nicht so einladend für die freie Assoziation…Also eher Stoff.


DWP: Ganz nach Bruno Bettelheim, der auf die Bedeutung vom Märchen hinwies. Verraten Sie uns Ihr Lieblingsmärchen? Und erkennen Sie Parallelen zur Entwicklung Ihres Lebens?

Sonja Lienhart: Da gibt es das Märchen „Die Sterntaler“, wobei ich weniger den Inhalt in seiner geläufigen Deutung auf mich beziehe, als vielmehr das starke Bild des Mädchens, dem die Sterntaler vom Himmel in den Schoß fallen – ein unverhofftes Glück. Davon hatte ich auch schon einiges in meinem Leben.


DWP: Ich träume…..

Sonja Lienhart:...Rätselhaftes genug, um mich eigentlich viele Stunden damit beschäftigen zu können. Leider fehlt manchmal die Muße oder es siegt die Unlust vor der Anstrengung, mich mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Prinzipiell nehme ich meine Träume aber sehr ernst und sie spiegeln mir oft wider, was mich wirklich beschäftigt.


DWP: Was finden Sie an der Psychoanalyse gut bzw. besonders gut und gibt es etwas was Sie an ihr nicht mögen?

Sonja Lienhart: Die Psychoanalyse ist ja zum einen ein prozesshafter Versuch, Lebensprobleme zu verstehen und mit ihnen umzugehen. Allerdings ist sie ja immer schon weit mehr gewesen als nur eine Therapiemethode. Sie bietet uns an, auch in Kunst und Kultur nach der Bedeutung des Unbewussten und der Verdrängungsprozesse zu fragen – ein kostbarer Schlüssel für die Erschließung menschlicher Kulturleistungen. Diese Vielgestaltigkeit der Psychoanalyse schätze ich sehr.


DWP: Haben Sie ein Lieblingszitat von Freud?

Sonja Lienhart: „Ich verstand, daß ich von jetzt ab zu denen gehörte, die ‚am Schlaf der Welt gerührt haben‘“.  (GW 10, S.59.)


DWP:  Außer Sigmund Freud, gibt es Psychoanalytiker mit denen Sie sich auch gerne auseinandersetzen?

Sonja Lienhart: Viele! Besonders gerne mag ich Texte von Donald W. Winnicott. Allerdings lese ich neben den theoretischen Schriften auch gerne Biografien über Psychoanalytiker, besonderes über solche, die Freud noch gekannt und ihn in Sitzungen der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung erlebt haben. Zum Beispiel das Buch von Richard F. Sterba „Erinnerungen eines Wiener Psychoanalytikers“.


DWP:  Wie sind Sie zu dem Thema Ihres Artikels gekommen, den wir nächste Woche unseren Lesern präsentieren dürfen?

Sonja Lienhart: Es hat mich gereizt, mich mit dem sehr unterschiedlichen Zugang zweier sehr unterschiedlicher Männer zum Thema der Religion zu befassen. In der Gegensätzlichkeit ihrer Auffassungen liegt etwas Belebendes, das mich angezogen hat. Aber es gibt auch pragmatische Gründe: Der Artikel entspricht ja einer überblickshaften Zusammenfassung meiner medizinischen Doktorarbeit, in welcher ich mich lieber mit einer kulturtheoretischen als klinischen Facette der Psychoanalyse beschäftigen wollte, da ich die Psychoanalyse ja selbst noch nicht praktiziere.


Herzlichen Dank für dieses Gespräch, wir freuen uns bereits jetzt Alle auf Ihren Leitartikel!



Kontakdaten der Autorin:
Sonja Lienhart


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