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Leitartikel


DER WIENER PSYCHOANALYTIKER möchte nicht nur bereits international etablierten Psychoanalytikern/Innen, sondern auch noch unbekannten Psychoanalytikern/Innen die Gelegenheit geben einen selbstverfassten, bisher noch nicht publizierten Artikel auf der Titelseite unseres Onlinemagazins zu posten!

Im Forum werden dann dazu alle User Stellung nehmen, Fragen formulieren und kommentieren können. Wir wollen dadurch einen bisher so noch nicht dagewesenen, internationalen Gedankenaustausch zwischen Psychoanalyse-Interessierten ermöglichen.
Aktuelle Textsprache ist Deutsch und/oder Englisch.

Bei Interesse, Ihre Zusendungen bitte an:
leitartikel@derwienerpsychoanalytiker.at


(Werden Personenbezeichnungen aus Gründen der besseren Lesbarkeit lediglich in der männlichen oder weiblichen Form verwendet, so schließt dies das jeweils andere Geschlecht mit ein.)

IM GESPRĂ„CH MIT

Autor/in: JEANNE WOLFF BERNSTEIN / DWP

(27.05.2015)
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In unserer Interviewreihe "im Gespräch mit" stellen wir kurz die Autoren der Leitartikel vor.
Damit wollen wir unseren Usern die Möglichkeit geben, die Leitartikel auch aus einer anderen Perspektive heraus lesen zu können.


Diese Woche freuen wir uns ganz besonders Jeanne Wolff Bernstein zu begrüßen:

Sie ist praktizierende Psychoanalytikerin in Wien. Davor war sie Praesidentin und Lehranalytikerin in San Francisco/Berkeley, California am Psychoanalytic Institute of Northern California, (PINC). 1985 erwarb sie  ihren Doktor in Klinischer Psychologie am The Wright Institute, Berkeley, California und schrieb ihre Doktorarbeit ueber das Werk von Edouard Manet. Sie unterrichtete an verschiedenen  Universitaeten und psychoanalytischen Instituten in Berkeley und San Francisco und arbeitete dort in privater Praxis als Psychoanalytikerin. 2008 war sie die Fulbright Visiting Scholar am  Sigmund Freud Museum in Wien. Waehrend dieser Zeit in Wien, hielt Jeanne Wolff Bernstein einen Vortrag in Der Akademie der Bildenden Kuenste ueber das Werk von Eva Hesse und schrieb ihren Fulbright Vortrag ueber  Freuds Zugang zur Moderne Kunst. Im Jahre 2009, war sie die wissenschaftliche Beraterin fuer die Kunstausstellung Eros und Thanatos im  Sigmund Freud und Liechtenstein Museum. Seit 2010, lebt und arbeitet Jeanne Wolff Bernstein in Wien. Sie unterrichtet und supervidiert an der Sigmund Freud Universitaet, Wien, und ist seit 2014 Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats der Sigmund Freud Privatstiftung und Museum, Wien. Sie nimmt regelmaessig als Diskussantin an der Film Noir Serie im  Sigmund Freud Museum teil.  Ihre letzteren Publikationen beinhalten;
Unlocking Diane Arbus, Studies in Gender and Sexuality,  2007,Vol.8, #4, pp.33-336
In Search of her Own Language: Eva Hesse Show, SFMOMA Museum, Studies in Gender and Sexuality, Vol. 6, #4, 2002, pp. 345-368.
Beyond the Bedrock in Good Enough Endings, (2010) ed. by Jill Salberg, Routledge Press and The space of transition between Winnicott and Lacan in Between Winnicott and Lacan, (2011) ed. by Lewis Kirshner, Routledge Press. Sie schrieb das Kapitel on Jacques Lacan,  to the (2012) Textbook of Psychoanalysis, Second Edition, edited by Glen Gabbard, Bonnie E. Litowitz & Paul Williams, American Psychiatric Publishing und eine Rezension ueber Danielle Knafo’s Buch, Alone Together: Solitude and the creative encounter in art and psychoanalysis., Psychoanalytic Dialogues, 2012.
Tattoos/hysteria, Body Image and Identity in Contemporary Societies, (2015) Routledge. Introduction to Narcissus in Mourning, by Paul Verhaege, (2015) by Thuria and Kant.



DWP: Was brachte sie zur Psychoanalyse?

Jeanne Wolff Bernstein: Ein reges und tiefes Interesse dafuer wie Menschen denken, fuehlen und agieren und in welchen Paradoxen sie leben und existieren.


DWP: Wenn Sie die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Sigmund Freud hätten, was würde wohl zum Thema werden. Gibt es konkrete Fragen?

Jeanne Wolff Bernstein: Ich haette viele Fragen an ihn und wuerde ihn so gerne ueber die vielen Zwiespaelte in seinem Leben fragen, ich wuerde gerne seine Diskussion von der Endlichen und Unendlichen Analyse (1937) fortsetzen und ihn ueber die Weiterentwicklung von Eros und Thanatos befragen.


DWP: Stoff- oder Ledercouch?

Jeanne Wolff Bernstein: Auf jeden Fall Stoff.


DWP: Ganz nach Bruno Bettelheim, der auf die Bedeutung vom Märchen hinwies. Verraten Sie uns Ihr Lieblingsmärchen? Und erkennen Sie Parallelen zur Entwicklung Ihres Lebens?

Jeanne Wolff Bernstein: Die Maerchen die immer wieder zu hilfreichen Analogien in meiner analytischen Arbeit auftreten, sind “Rumpelstilchen”, “Aschenputtel” und “Des Kaisers neue  Kleider”.


DWP: Ich träume…..

Jeanne Wolff Bernstein: Ich traeume, na ja, von vielem…wie soll es anders sein


DWP: Was finden Sie an der Psychoanalyse gut bzw. besonders gut und gibt es etwas was Sie an ihr nicht mögen?

Jeanne Wolff Bernstein: Es ist fuer mich die einzig denkbare Theorie und Praxis mit und in der ich arbeiten kann, ich liebe die Vielfaeltigkeit der Ideen, die die Psychoanalyse zulaesst und die Disziplin die sie zugleich auferlegt. Was ich bedauere in der Psychoanalyse , sind die Streitereien zwischen den verschiedenen psychoanalytischen Schulen und Vereinen, sie lernen nicht von einander, sondern bekaempfen sich die meiste Zeit.


DWP: Haben Sie ein Lieblingszitat von Freud?

Jeanne Wolff Bernstein: das ist schwer, es gibt so viele….

Der Schatten des Objekts fiel so auf das Ich, welches nun von einer besonderen Instanz  wie ein Objekt, wie das verlassene Objekt, beurteilt werden konnte. Auf diese Weise hatte sich der Objektverlust in einen Ichverlust verwandelt… Trauer und Melancholie, 1917

Das Ich, mit dem wir einen solchen Pakt schliessen koennen, muss ein normales Ich sein. Aber ein solches Normal-Ich ist, wie die Normalitaet ueberhaupt, eine Idealfiktion. Das abnormale, fuer unsere Absichten unbrauchbare Ich ist leider keine. Die endliche und die unendliche Analyse, 1937

…nur das Zusammen-und Gegeneinanderwirken beider Urtriebe Eros und Todestrieb erklaert die Buntheit der Lebenserscheinungen, niemals einer von ihnen alleine. Die endliche und die unendliche Analyse, 1937


Herzlichen Dank für dieses Gespräch und für Ihren Leitartikel!



Kontakdaten der Autorin:
Jeanne Wolff Bernstein


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