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Leitartikel


DER WIENER PSYCHOANALYTIKER möchte nicht nur bereits international etablierten Psychoanalytikern/Innen, sondern auch noch unbekannten Psychoanalytikern/Innen die Gelegenheit geben einen selbstverfassten, bisher noch nicht publizierten Artikel auf der Titelseite unseres Onlinemagazins zu posten!

Im Forum werden dann dazu alle User Stellung nehmen, Fragen formulieren und kommentieren können. Wir wollen dadurch einen bisher so noch nicht dagewesenen, internationalen Gedankenaustausch zwischen Psychoanalyse-Interessierten ermöglichen.
Aktuelle Textsprache ist Deutsch und/oder Englisch.

Bei Interesse, Ihre Zusendungen bitte an:
leitartikel@derwienerpsychoanalytiker.at


(Werden Personenbezeichnungen aus Gründen der besseren Lesbarkeit lediglich in der männlichen oder weiblichen Form verwendet, so schließt dies das jeweils andere Geschlecht mit ein.)

IM GESPRÄCH MIT

Autor/in: ÁNGEL DANIEL FERNÁNDEZ / DWP

(18.03.2015)
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In unserer Interviewreihe "im Gespräch mit" stellen wir kurz die Autoren der Leitartikel vor.
Damit wollen wir unseren Usern die Möglichkeit geben, die Leitartikel auch aus einer anderen Perspektive heraus lesen zu können.


Diese Woche freuen wir uns ganz besonders Ángel Daniel Fernández zu begrüßen:

Geboren 1970 in Argentinien. Lebt mit seiner Frau in Rosario in der Provinz Santa Fe. Psychoanalytiker, Psychologe (UNR), Dozent für Psychologie an der Universidad Nacional, Rosario. Vorlesungen zur Psychoanalyse, sein Interesse gilt seit jeher der Vermittlung von Psychoanalyse über das Wort, sei es im Gespräch, bei Konferenzen, Kursen.


Nato 1970, Argentina, Rosario, Psicoanalista, Psicólogo (UNR), Docente de la Facultad de psicología perteneciente a la Universidad Nacional de Rosario, Jefe de Trabajos Prácticos de la Cátedra “Discursos Psicológicos Contemporáneos”, Presidente y Director de enseñanza de La Biblioteca (Archivo, Investigación y Docencia), Conferencista, Ensayista, Dictante del Curso Anual de Psicoanálisis de La Biblioteca (Archivo, Investigación y Docencia).



DWP: Was brachte Sie zur Psychoanalyse?

Ángel Daniel Fernández: Der hauptsächliche Beweggrund war mein eigenes Leid. Mir scheint, fast alle, die sich mit ihr beschäftigen, gelangen im Grunde genommen über die Neurose zur Psychoanalyse. Dann kann man sich über die Philosophie, die Literatur, die Medizin, von dieser oder jener Richtung ihr annähern, aber die ursächliche Motivation bleibt der eigene Leidenszustand. Ebenso war es ein großer Wunsch von mir, eine Möglichkeit zu finden, mein Leid auch auf eine andere Art und Weise ausdrücken zu können, als ich es zuvor konnte. Diese Möglichkeit habe ich in der Psychoanalyse gefunden.


DWP: Wenn Sie die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Sigmund Freud hätten, was würde wohl zum Thema werden. Gibt es konkrete Fragen?

Ángel Daniel Fernández: Ich würde es großartig finden mit Sigmund Freud sprechen zu können, auch nur 10 Minuten. Eine konkrete Frage, die ich ihm stellen würde, wäre, wie er sich heute institutionspolitisch positionieren würde. Mit anderen Worten, wie würde er für die heutige Zeit die institutionelle Psychoanalyse gestalten, damit diese auch die Ausübung der Psychoanalyse, so wie er sie damals gemeint hatte garantieren kann.
  

DWP: Stoff- oder Ledercouch?

Ángel Daniel Fernández: Stoff, aber könnte auch Leder sein. Egal…


DWP: Ganz nach Bruno Bettelheim, der auf die Bedeutung vom Märchen hinwies. Verraten Sie uns Ihr Lieblingsmärchen? Und erkennen Sie Parallelen zur Entwicklung Ihres Lebens?

Ángel Daniel Fernández: Wenn es nach Bettelheim gehen soll, denke ich an ein Kindermärchen … Vielleicht eine Passage aus „Hänsel und Gretel“, die, die mir immer gut gefallen hat, war die Stelle an der die Kinder mit kleinen Brotstücken ihren Weg markierten, um später den Ausweg leichter wieder zu finden. Die Psychoanalyse erscheint mir hier ähnlich. Sie ist meines Erachtens auch eine Möglichkeit einen Ausweg zu finden. Aber nicht nur einen Ausweg, die Psychoanalyse ermöglicht es einem auch diese Brotkrumen auf dem Weg zu erschaffen. Es lassen sich die wichtigen Stellen des Weges markieren und man kann den Weg erkennen, den man genommen hat. Einen Ausweg finden über das Wort.


DWP: Ich träume…..

Ángel Daniel Fernández: Für die Psychoanalyse erträume ich mir, dass sie viel beliebter und verbreiteter wäre als jetzt. Ich wünsche sie mir besser verstanden, mehr eingebunden in den universitären Diskurs, klar und deutlich. Ebenfalls wünsche ich mir, und das bezieht sich auf die Frage, die ich an Sigmund Freud stellen würde, eine Organisation oder Institution, die die Psychoanalyse auf diese Art auch vertritt. Nicht, dass es nicht schon genug Organisationen gäbe, aber ich glaube gerade auf der institutionellen Ebene gäbe es noch Vieles zu verbessern.


DWP: Was finden Sie an der Psychoanalyse gut bzw. besonders gut und gibt es etwas was Sie an ihr nicht mögen?

Ángel Daniel Fernández: Am besten gefällt mir ihre praktische Anwendung in meiner Arbeit mit Patienten. Für mich ist das eine wunderbare Arbeit. Sie ist etwas sehr spezielles, sehr unterhaltsam, abwechslungsreich, auch lustig und erfüllend. Ich glaube nicht, dass es etwas an der Psychoanalyse gibt, was mir nicht gefällt. Natürlich gibt es Dinge die mir bei meinen Kollegen, bei anderen Psychoanalytikern nicht gefällt. Dies ist ja auch umgekehrt der Fall, aber an der Psychoanalyse selbst könnte ich nichts Spezielles finden, was mir nicht gefällt.


DWP: Welchen Herausforderungen mussten Sie sich während Ihrer analytischen Ausbildung stellen?

Ángel Daniel Fernández: Das ist eine lange Geschichte, aber ich versuche mich hier kurz zu fassen. Das schwierigste für mich war es gute Lehrer zu finden. Während meiner Ausbildungszeit war es wichtig den Diskurs von J. Lacan zu verstehen, der damals gerade begann in Argentinien Fuß zu fassen. Der Diskurs lag so fern von dem uns bekannten und noch weiter entfernt schienen alle Orte an denen man sich Kenntnisse darüber aneignen konnte. Masotta sagte einmal: „Argentinien ist ein Land ohne Lehrer.“, und es war wirklich sehr schwierig jemanden zu finden der wirklich daran Interesse hatte, ein aufrichtiges Interesse daran, etwas von der Praxis der Analyse weiterzugeben. Was wir also damals zu tun hatten, war eine Position zwischen zwei Polen zu finden. Auf der einen Seite stand also die seriöse, ernste Universität und auf der anderen Seite standen die „Wahnsinnigen“, die, die sich mit einem derart seltsamen und andersartigen Diskurs befassten, den von J. Lacan, der so weit weg von dem war was wir sonst unter Psychoanalyse verstanden und der außerordentlich unverständlich und verschlüsselt schien. Hier mussten wir uns mühevoll Menschen suchen, die uns halfen, sich diesem Diskurs anzunähern und anzueignen. Das war schließlich die große Herausforderung.                     


DWP: Haben Sie ein Lieblingszitat von Freud?

Ángel Daniel Fernández: Ich zitiere Freud sehr gerne, da ich mir die Dinge die ich gelesen habe, im Gegensatz zu den Dingen, die ich erlebt habe gut merke. Ich bewundere alle Schriften von Freud, aber im Besonderen faszinieren mich die, in denen Freud die Psychoanalyse definiert. Diese Zitate definieren Umrisse und Schattierungen dessen, was die Psychoanalyse als Lehre, als Methode und Verfahren ist. Es gibt einen Satz den ich für fast universal halte, ich glaube er stammt aus den Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse: „Nichts auf der Welt muss aufhören zu existieren, damit es die Psychoanalyse gibt.“ Das erscheint mir fast ein Leitmotiv der Psychoanalyse, da sie es nicht benötigt, dass etwas anderes verschwindet damit sie existieren kann. Und ein Zweiter, zeigt warum Geld uns nicht glücklich macht „Glück ist die Erfüllung von Kinderwünschen“ und Geld ist eben kein Kinderwunsch, der Penis schon eher. Mir fallen noch viele weitere ein, aber ich werde mich in Zurückhaltung üben. Ich möchte anregen die Werke Freuds zu lesen.


Herzlichen Dank für dieses Gespräch, wir freuen uns bereits jetzt Alle auf Ihren Leitartikel!



Kontakdaten des Autors:
Ángel Daniel Fernández


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