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Wien, 19.02.2019, 16:15   DEUTSCH / ENGLISH




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Leitartikel


DER WIENER PSYCHOANALYTIKER möchte nicht nur bereits international etablierten Psychoanalytikern/Innen, sondern auch noch unbekannten Psychoanalytikern/Innen die Gelegenheit geben einen selbstverfassten, bisher noch nicht publizierten Artikel auf der Titelseite unseres Onlinemagazins zu posten!

Im Forum werden dann dazu alle User Stellung nehmen, Fragen formulieren und kommentieren können. Wir wollen dadurch einen bisher so noch nicht dagewesenen, internationalen Gedankenaustausch zwischen Psychoanalyse-Interessierten ermöglichen.
Aktuelle Textsprache ist Deutsch und/oder Englisch.

Bei Interesse, Ihre Zusendungen bitte an:
leitartikel@derwienerpsychoanalytiker.at


(Werden Personenbezeichnungen aus Gründen der besseren Lesbarkeit lediglich in der männlichen oder weiblichen Form verwendet, so schließt dies das jeweils andere Geschlecht mit ein.)

IM GESPRÄCH MIT

Autor/in: JORGE LUIS RIOS / DWP

(23.01.2019)
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In unserer Interviewreihe "im Gespräch mit" stellen wir kurz die Autoren der Leitartikel vor. Damit wollen wir unseren Usern die Möglichkeit geben, die Leitartikel auch aus einer anderen Perspektive heraus lesen zu können.

Diese Woche freuen wir uns ganz besonders Jorge Luis Rios aus Wien, Österreich zu begrüßen.

• Geboren 1984 in Lima, Peru
• 2013 Studium der Psychotherapiewissenschaft an der Sigmund Freud PrivatUniversität
• Juni 2014 - März 2015 propädeutisches Praktikum an der Sigmund-Freud-Universitätsambulanz
• Juni 2016 Bakkalaureat der Psychotherapiewissenschaft, SFU Wien
Titel der Abschlussarbeit: „Trans-Symbolisierung der Libidotheorie von Sigmund Freud durch das Psycho-Bild-Spiel (PBS/k). Die Theorie als therapietheoretischer Hintergrund einer Bildbeschreibung im Rahmen eines imaginativhermeneutischen Forschungsverfahrens.“
• Oktober 2016 - Mai 2017 Klinisches Praktikum bei SOWHAT: Medizinisches Institut für Menschen mit Essstörung
• Oktober 2017 Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision
• Jänner 2017 - Juli 2018 praktische Tätigkeit an der Sigmund-Freud-Universitätsambulanz
• September 2018 psychotherapeutische Tätigkeit in eigener Praxis
• Gründung von LATP (Lateinamerikanische transkulturelle Psychotherapie)


DWP: Was brachte Sie zur Psychoanalyse?

Jorge Luis Rios: Seit meiner Kindheit wollte ich verstehen, wie die menschliche Psyche funktioniert, insbesondere auch, um dadurch die Funktionen meiner eigenen Psyche nachvollziehen und ergründen zu können. Schon damals begleitete mich das Gefühl, dass in unserem Dasein und in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen weitaus mehr Kräfte wirken, als jene, die wir bloß mit unseren Sinnen erfassen und wahrnehmen. Es war also die unbewusste Kraft selbst, die mich zur Psychoanalyse brachte.


DWP: Was fasziniert Sie an der Psychoanalyse besonders?

Jorge Luis Rios: Der „Aha Moment“! Meine Faszination an der Psychoanalyse gilt besonders dem Weg des Selbsterlebnisses, auf dem sich, durch kontinuierliche Selbsterkenntnis, Handlungsfreiheit und Urteilsautonomie entwickeln.
 

DWP: Welchen Herausforderungen mussten Sie sich während Ihrer analytischen Ausbildung stellen?

Jorge Luis Rios: In den Jahren meiner psychoanalytischen Ausbildung erlebte ich zahlreiche spannende, lehrreiche, aber auch fordernde Momente bei der Entdeckung meines Unbewussten - insbesondere durch meine Träume. Ich entwickelte ein Verständnis für die Bedeutung, die Worte, Sprache, Symbolik und deren Signifikanten für uns haben, und erkannte den hohen Wert des Gesprächs an sich. Ebenso verdeutlichte sich mir die Notwendigkeit, mutig Gefühle wahrzunehmen, um deren Realisierung im Bewusstsein zu integrieren. Ich erkannte meine Widerstände, innersten Ängste, verborgenen Bedürfnisse und eigenen Charakterzüge. Im Laufe dieses Entwicklungsprozesses zeigte sich mir deutlich, dass es insbesondere die Lehranalyse, und die praktische Arbeit mit Patienten sind, die ein tiefes Verständnis der psychoanalytischen Theorie erst ermöglichen. Theorie und Praxis gehen Hand in Hand - Psychoanalyse ist Selbsterlebnis.

 
DWP: Wenn Sie die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Sigmund Freud hätten, was würde wohl zum Thema werden? Gibt es konkrete Fragen?

Jorge Luis Rios: Ich würde uns eine gute kubanische Zigarre anzünden, ihm lächelnd direkt in die Augen schauen und fragen: „Herr Dr. Freud, was haben Sie verschwiegen?“

 
DWP: Stoff- oder Ledercouch?

Jorge Luis Rios: Stoff, definitiv.


DWP: Bruno Bettelheim wies auf die Bedeutung von Märchen im Kindesalter hin. Verraten Sie uns Ihr Lieblingsmärchen? Und erkennen Sie Parallelen zur Entwicklung Ihres Lebens?

Jorge Luis Rios: Anstatt eines Märchens möchte ich gerne einen Mythos aufgreifen: die Sage von Orpheus und Eurydike. Symbolische Parallelen zu meinem Leben sehe ich besonders in der Botschaft, dass die Liebe keine Grenzen kennt.


DWP: Ich träume, …

Jorge Luis Rios: … davon, immer wieder neue Träume zu haben.


DWP: Welchen Beitrag kann die Psychoanalyse heute leisten bzw. leistet sie für Sie? Hat sie Grenzen?

Jorge Luis Rios: Den gleichen Beitrag, den sie über ihre ganze Geschichte hinweg geleistet hat: psychische Reifung, innere Freiheit und seelische Entfaltung. Die Grenzen sehe ich nicht in der Psychoanalyse an sich, sondern eher in unseren eigenen menschlichen Grenzen.

 
DWP: Was finden Sie an der Psychoanalyse gut bzw. sehen Sie auch Gefahren die von Ihr ausgehen können?

Jorge Luis Rios: Das Gefühl, das Leben mit neuen Augen zu betrachten, und ihm mit erneuten Kräften zu begegnen.
 

DWP: Verraten Sie uns ihr Lieblingszitat? Von Freud oder einem anderen Psychoanalytiker?

Jorge Luis Rios: „Flectere si nequeo superos, acheronta movevo.“  (Motto von Sigmund Freuds Traumdeutung)

Das wiedergeborene Auge verwandelt die alte Tat.(Léon Wurmser)*
* Henrik Ibsen, „John Gabriel Borkman“, 1896, S.451


Herzlichen Dank für dieses Gespräch, wir freuen uns bereits jetzt Alle auf Ihren Leitartikel!


Kontaktdaten:
Jorge Luis Rios



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