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Leitartikel


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Wer war Prinzessin Alice von Battenberg? (Teil I)

Autor/in: Dany Nobus / Sabrina Zehetner (DWP)

(09.01.2019)
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In seinem Interview mit DER WIENER PSYCHOANALYTIKER rekonstruiert Professor Dany Nobus die Krankengeschichte von Prinzessin Alice von Battenberg und gibt Einblicke in die Geschichte der Psychoanalyse.

Dany Nobus ist Professor der psychoanalytischen Psychologie an der Brunel University London, und ehemaliger Direktor des Freud Museums London. 2017 wurde er mit der Sarton Medal der Universität Ghent für seine Beiträge zur Geschichte der Psychoanalyse ausgezeichnet.

 
Wie hat Prinzessin Alice von Battenberg ihr Interesse geweckt?

Dany Nobus: Die Geschichte der Psychoanalyse hat mich schon immer interessiert, und insbesondere Theorieentwicklung, Beziehungen zwischen Theorie und Praxis, und institutionelle Konflikte. Ich begann mich besonders für Freuds Gründe zu interessieren, psychotische Patienten von der Behandlung auf der Couch auszuschließen – ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch Freuds Werk zieht. Es ist eindeutig, dass psychotische Patienten sich nach Freuds Meinung nicht für die Psychoanalyse eignen, oder zumindest nicht für eine psychoanalytische Behandlung. Natürlich studierte Freud Daniel Paul Schreiber, hat ihn jedoch nie persönlich getroffen, und wenn er ihn getroffen hätte, hätte Freud ihn nie einer Psychoanalyse unterzogen. Am Ende der 3. Ausgabe von Ernest Jones Biographie über Freud, gibt es einen Abschnitt, in dem Jones Fragmente der Korrespondenz zwischen Freud und Marie Bonaparte inkludiert und klar macht, dass er bereits redigierte Dokumente präsentiert. Der Leser weiß also, dass Jones in seinem Buch nicht alles preisgibt. Es gibt einen Brief, der am 15. Jänner 1930 geschrieben wurde, und mein Interesse weckte, da die Korrespondenz zwischen Freud und Marie Bonaparte eine psychotische Patientin beinhaltet. Freud erklärt Marie Bonaparte darin, dass er psychotische Patientin als ungeeignet für eine Psychoanalyse betrachtet, und deutet darüber hinaus an, dass er Endokrinologie und verwandte Disziplinen zu Rate ziehen will, um ein Behandlungsparadigma für psychotische Patienten zu entwickeln. Man kann aus dem Fragment herauslesen, dass Marie Bonaparte eine bestimmte Patientin im Sinn hat, über die sie mit Freud schreibt. Aber man erfährt nicht, welche Patientin gemeint ist, da Jones alle Passagen, mit dessen Hilfe man die Patientin identifizieren hätte können, entfernt hat.

Das war Grund genug für mich meinen Detektivhut aufzusetzen und mehr über die besprochene Person und den Kontext der Konversation herauszufinden, und ob es eine Fortsetzung des Briefes gibt. Das Problem ist, dass diese Korrespondenz zwischen Freud und Marie Bonaparte bis zum Jahr 2030 in der Library of Congress verwahrt wird. Ich wusste von Freunden, Bekannten und Kollegen, die sich mit Bonaparte beschäftigt hatten, dass Marie Bonaparte Freuds Briefe transkribierte, übersetzte und Kopien von ihnen an Kollegen verschickte, insbesondere an Ernest Jones, also dachte ich, dass eine Kopie dieses Briefes in einem anderen Archiv sein müsste.

Das führte mich zur Bibliothèque national de France und einer Korrespondenz mit dem wundervollen Gelehrten Rémy Amouroux, der meiner Meinung nach das beste Buch über Marie Bonaparte geschrieben hat. Ich schaffte es schließlich, ein Transkript des Briefes von Marie Bonaparte zu bekommen, den sie vermutlich an Ernest Jones geschickt hatte, als er an seiner Freud-Biografie arbeitete, und welcher im Archiv der Bibliothèque national de France aufbewahrt wird. In dem Brief stand nicht viel mehr, aber man erfuhr Details über die besprochene Patientin. Nachdem ich die Puzzleteile zusammengefügt hatte, kam ich zu dem Schluss, dass es sich bei der Patientin um Prinzessin Alice von Battenberg gehandelt haben muss. Dann las ich die zwei Biographien über Alice von Battenberg. Es gibt die offizielle Biografie von Hugo Vickers und eine Biografie eines griechischen royalen Historikers, Tonis Breidel Chatzidimitriou. Das war der Anfang dessen, was später eine detaillierte Analyse ihrer Fallgeschichte werden würde, Freuds Beteiligung an ihrer Behandlung und ihre darauffolgende Einweisung ins Schloss Tegel Sanatorium und der Kreuzlingen Klinik in der Schweiz.

Alice von Battenberg war mit Prinz Andrew von Griechenland und Dänemark verheiratet. In den 1920er lebten sie mit ihren vier Kindern, darunter Prinz Philipp, dem Gemahl von Elizabeth II, in Paris. Hauptgrund war die angespannte politische Situation in Griechenland, wo Prinz Andrew zur persona non grata deklariert wurde.


Warum haben sie sich für Paris entschieden?

Dany Nobus: Prinz Andrews Bruder, Prinz George, war mit Marie Bonaparte verheiratet. Sie boten Prinzessin Alice und Prinz Andrew ein teures Anwesen in St. Cloud an, einer wohlhabenden Vorstadt im Westen von Paris. In dieser Zeit widmete sich Alice ihren königlichen Pflichten – Sie kümmerte sich um ihre fünf Kinder, leistete Wohltätigkeitsarbeit, verkaufte griechische Waren und begann Bücher über Spiritualität zu sammeln.


Was weckte ihr Interesse an der Spiritualität?

Dany Nobus: Ich bin mir nicht sicher, was ihr Interesse an Spiritualität weckte, außer der Tatsache, dass sie bereits in jungen Jahren große Bewunderung für ihre Tante Ella, die Großherzogin Elisabeth Feodorovna von Rußland, hegte, die in das russische Königshaus eingeheiratet hatte. Nachdem ihr Ehemann, der Großherzog Sergeii Alexandrovich 1905 von einer terroristischen Organisation ermordet worden war, wurde sie eine Nonne und gründete eine religiöse Gemeinschaft nahe Moskau. Sie selbst wurde 1918 von den Bolschewiken ermordet. Für Prinzessin Alice repräsentierte Ella, um es in Freud’schen Begriffen auszudrücken, ihr Superego. Sie war ein Mensch, den Alice für ihren Mut und ihre Wohltätigkeitsarbeit bewunderte, und bald begann Alice Bücher über Spiritualität zu lesen. In den 1920er Jahren wurde sie Mitglied der griechisch-orthodoxen Kirche und gab ihren Anglikanischen Protestantismus auf. Am Ende der 1920er Jahren, begann ihre Familie sich Sorgen um Prinzessin Alice und ihre spirituellen Neigungen zu machen, da sie Stunden am Boden liegend verbrachte, und Botschaften von Jesus Christus erhielt. Sie teilte dem Priester mit, dass sie die Braut von Jesus Christus sei. Es ist nichts dabei zu Gott zu sprechen, aber wenn Gott beginnt dir zu antworten, könnte es ein Problem darstellen. Zuerst kontaktierte ihre Familie einen ortsansässigen Arzt, der jedoch nicht viel tun konnte. Dann wurde ihr griechischer Gynäkologe konsultiert. Ich wäre nicht überrascht, wenn man davon ausgegangen wäre, dass sie in die Wechseljahre gekommen war. Schon damals glaubte man, dass eine Psychose durch hormonelle Veränderungen ausgelöst werden kann. Dr. Louros reiste von Athen nach Paris, und war der erste, der Prinzessin Alice als psychotisch diagnostizierte. Als Mitglied der königlichen Familie konnte man sie allerdings nicht in einer der größeren öffentlichen Institutionen, wie z.B. dem Hôpital de la Salpêtrière, einweisen. Zu dieser Zeit gab es wenig private Einrichtungen in Frankreich für Patienten, die unter schweren psychischen Krankheiten litten. Sie hätte nach London gehen können, aber letztendlich wurde sie auf Empfehlung Marie Bonapartes ins Sanatorium Schloss Tegel nach Berlin geschickt. Interessanterweise mussten sie einen Plan aushecken, um Prinzessin Alice zu überreden. Sie sagten zu ihrem Gynäkologen, dem sie sehr nahe stand: „Bitte sagen sie ihr, dass diese Empfehlung von Herrn Jesus Christus kommt“. Andernfalls wäre sie nie gegangen. Was Dr. Lourus tatsächlich in Prinzessin Alices Ohr flüsterte war: “Der Herr Jesus Christus, dein Ehemann, empfiehlt dir einige Zeit im Kurhaus Schloss Tegel zu verbringen.“


War das nicht ein wenig kontraproduktiv in Anbetracht ihrer Krankheit?


Dany Nobus: Nun, sie ist gegangen. Sich eine Behandlungsstrategie für psychotische Patienten auszudenken, zu verstehen und zu implementieren ist eine Sache, aber sie zur Einwilligung zu bringen eine andere. Dies ist wahrscheinlich der einzig dokumentierte Fall in der Geschichte der Psychoanalyse, in welcher der Patient dem Rat von Herrn Jesus Christus persönlich, befolgte.


War die Anwendung eines biologischen Paradigmas ein Versuch die Psychoanalyse glaubwürdiger zu machen?


Dany Nobus: Das ist eine mögliche Interpretation dessen, was passiert ist, aber basierend auf meiner geschichtlichen Forschung, denke ich nicht, dass diese Interpretation auf Freuds Empfehlung angewandt werden kann. Freud hat Ernst Simmel, dem damaligen Direktor des Sanatoriums Schloss Tegel, empfohlen Prinzessin Alices Eierstöcke hochintensiver Röntgenstrahlung auszusetzen. Es ist sicherlich der Fall, dass Freud dem biologischen Paradigma nicht abgeneigt war, und den Wert von Entwicklungen in der Biochemie, Epidemiologie - was wir heute Neurowissenschaft nennen - mitberücksichtigte, um die Psychoanalyse voranzubringen. Man darf nicht vergessen, dass Freud selbst Neurologe war. Ich denke, es gab gute Gründe, weshalb er die Neurologie hinter sich gelassen hat, um die Psychoanalyse weiterzuentwickeln, aber in seiner Arbeit finden sich immer wieder biologische Bezüge. Ich glaube, dass sich die Situation im Fall Alice ein wenig anders gestaltet. Als ich zum ersten Mal Freuds Empfehlung las, war ich sehr verwundert. Warum um alles in der Welt würde der Gründer der Psychoanalyse im Jahr 1930 einem vertrauten Kollegen empfehlen auf eine derartige Intervention zurückzugreifen? Ich habe mir gedacht, dass es einen guten Grund für Freuds Empfehlung gegeben haben muss, deren Ausführung nicht unter Freuds Aufsicht stattfand, da er Alice von Battenberg nie persönlich getroffen hat. Der Grund für diese Empfehlung war, dass Freud, anders als Simmel, wie bereits erwähnt, nicht glaubte, dass psychotische Patienten psychoanalytisch behandelt werden konnten. Simmel versuchte Freud immerzu von der Idee zu überzeugen, einen gesonderten Bereich für psychotische Patienten im Schloss Tegel zu eröffnen, aber Freud war sehr skeptisch. Schlussendlich scheiterte die Idee aus praktischen Gründen. Zweitens fußt die Empfehlung auf einem recht kontroversen endokrinologischen Paradigma.

In den 20er Jahren wurde dieses auf der ganzen Welt als große, innovative Erfindung gefeiert, die den Körper verjüngen sollte. Dieses Paradigma wurde von einem österreichischen Arzt namens Eugen Steinach initiiert, der in den 20er und 30er Jahren mehrmals für den Nobelpreis nominiert war, aber ihn nie erhielt. Seine Arbeit galt als so bahnbrechend, dass man sie als zukunftweisend für das menschliche Dasein betrachtete. Damals waren die Menschen besessen von Verjüngung und griffen auf die Steinach-Methode zurück. Es gab dafür sogar ein Verb, das von Alfred Döblin erfunden wurde, dem Autor von „Berlin Alexanderplatz“: sich steinachen zu lassen.


Was beinhaltete die Steinach-Methode?


Dany Nobus: Es handelte sich um eine Vasoligatur, einem Vorläufer der Vasektomie, oder wie wir in England sagen, „the snip“. Heutzutage würden Urologen die vas deferentia durchschneiden, aber in den 1920er Jahren banden sie diese ab. Die Schlussfolgerung war, dass die Spermien den männlichen Körper durch die Vasoligatur nicht verlassen und in einem Teil des Hodens bleiben würden. Dadurch würde der Mann belebt werden. Natürlich probierte Steinach diese Methode zuerst an Ratten und Hunden aus.

Steinach war berühmter als Freud. Weltweit ließen sich viele Männer steinachen, und einer der berühmteren Patienten war Professor Freud selbst. Im November 1923 hatte Freud körperlich zu kämpfen und wurde mit Krebs diagnostiziert. Er hatte ein Alter erreicht, in dem seine physischen und mentalen Kräfte nicht mehr so stark wie früher waren. Und auf Rat von Paul Federn, einem Mitglied der Wiener psychoanalytischen Vereinigung, ließ Freud sich in Wien von Professor Viktor Blum steinachen.

 
Hat es funktioniert?

Dany Nobus: Ich bin mir nicht sicher. Es gibt Korrespondenzen zwischen Freud und Ferenczi darüber. Manchmal sagte Freud zu ihm: Nein, es hat vermutlich keinen Unterschied gemacht. Warum würde Freud diese Information nur mit Ferenczi teilen? Ich denke, dass er sie mit Ferenczi teilte, weil Ferenczi auch fest daran glaubte, dass die Zukunft der Psychoanalyse durch das biologische Paradigma garantiert werden würde. Er teilte seinen Glauben mit einem Kollegen, der dem biologischen Paradigma größtenteils wohlwollend gegenüberstand, bezüglich der Art und Weise, wie biologische Interventionen den Verstand beeinflussten. Das Pendant für Frauen zu Steinachs operative Methoden für Männer war die Röntgenbestrahlung der Eierstöcke.


Um die Menopause einzuleiten?

Dany Nobus: Nein, ich denke nicht. So steht es in Vickers Biografie, und so taucht es wieder in einem Brief von Simmel an Binswanger in Alices Akte auf. Aber ich denke, dass die Menopause in diesem Fall eine Nebenwirkung war, und ich denke nicht, dass der therapeutische Wert der Röntgenbestrahlung der Eierstöcke etwas mit der Menopause zu tun hatte, da damals die Menopause als Auslöser für Psychosen galt, nicht als deren Heilung.


Was passierte nach ihrer Rückkehr nach Paris?

Dany Nobus: Simmel und Freud nahmen an, dass das Steinachen von Alice’s Eierstöcken zur Verjüngung führen wurde. Als sie nach Tegel kam, war sie sehr schwach, da sie lange Zeit nichts gegessen hatte aus Selbstbestrafung für die Sünden, die sie als Braut von Jesus Christus begangen hatte. Sie dachten, dass die Behandlung ihre physische und mentale Kraft wiederherstellen würde, und vielleicht würden ihre Wahnvorstellungen im Zuge dessen auch verschwinden. Aber ja, schlussendlich leitete die Prozedur Alice von Battenbergs Menopause ein.

 
Und was geschah nachdem sie Schloss Tegel verlassen hatte?

Dany Nobus: Ihr Zustand verschlechterte sich. Zuerst fühlte sie sich besser, aber psychisch ging es ihr überhaupt nicht gut, und ein neuer Plan wurde ausgeheckt, um sie in eine geschlossene Anstalt zu bringen. Ihre Mutter und Prinz Andrew brachten sie nach Darmstadt, wo sie ohne ihres Wissens sediert wurde, und dann mit Gewalt über die Grenze ins Bellevue Sanatorium nach Kreuzlingen gebracht wurde, eine geschlossene Anstalt, die von Ludwig Binswanger geleitet wurde, und wo sie zweieinhalb Jahre verbrachte. Als sie in Kreuzlingen eingewiesen wurde, war sie in keinem guten Zustand. Sie schaffte es auszubrechen, aber wurde am Bahnhof gefasst und wieder zurückgebracht. Die Steinach-Methode war also nicht besonders hilfreich mit Hinblick auf ihre psychotische Verfassung. Ich hätte noch erwähnen sollen, dass Prinzessin Alice hochgradig schwerhörig war. Sie konnte sehr gut Lippenlesen, aber eine Psychoanalyse hätte von Angesicht zu Angesicht praktiziert werden müssen.

Nach zweieinhalb Jahren in Kreuzlingen wurde sie mit Erlaubnis ihrer Mutter entlassen, und verbrachte eine Zeit lang in Norditalien. In den 30er Jahren wurde Prinzessin Alice zur Reisenden. Sie bereiste ganz Europe und niemand wusste, wo sie sich aufhielt. Diese Zeit in ihrem Leben ist kaum dokumentiert. Sie führte das Leben einer „verrückten Reisenden“ („mad traveler“), um Ian Hackings Bezeichnung zu verwenden. Vor dem Ausbruch des 2. Weltkriegs zog sie nach Athen. Sie tat etwas, das niemand für möglich gehalten hätte. Sie gründete ihre eigene religiöse Gemeinschaft auf der Insel Tinos und begann sich wie eine Nonne zu kleiden. Sie wollte in der Öffentlichkeit nur in Nonnenkleidung gesehen werden. Während des 2. Weltkriegs bot sie jüdischen Griechen Unterschlupf, was ihr Leben in Gefahr brachte. Für die Griechischen Juden ist sie eine Retterin. Wir sprechen hier von einem Mitglied des Britischen Königshauses, die eine Nonne war, Juden in Athen Unterschlupf bot, wie ein Schlot rauchte und manchmal Poker in Casinos spielte, und wie eine Heilige verehrt wird.


War Prinzessin Alice von Battenberg verrückt?

Dany Nobus: Sie war definitiv eine Außenseiterin. Es besteht kein Zweifel daran, dass sie einen nervlichen Zusammenbruch hatte. Macht sie das zur Verrückten? Nein. Wir haben alle unsere Dämonen, mit denen wir von Zeit zu Zeit zu kämpfen haben. War sie psychotisch? Ich bin nicht überzeugt. Ich bin mir nicht sicher, was der Auslöser für ihren Nervenzusammenbruch war. In den 20er Jahren war sie unsterblich in einen Engländer verliebt, mit dem sie eine hocherotisierte Korrespondenz pflegte, und ihre Mutter hätte sie unterbunden. Die Kontrolle war mit Sicherheit auf der Seite der Mutter, wenn es darum ging, wie sich Alice entschied ihr Leben zu leben. Wer hat die Entscheidung getroffen, sie nach Tegel zu bringen? Ihre Mutter. Wer hat sie nach Tegel geschickt? Ihre Mutter. Ihr Vater war also komplett abwesend. Für sie, bewusst oder unbewusst, war der Nervenzusammenbruch auf eine Art und Weise eine Reaktion auf die übermächtige Mutterfigur, die stetig über sie herrschte. Tatsache ist, dass es keinen Hinweis auf einen weiteren schweren Nervenzusammenbruch gibt, nachdem sie Kreuzlingen verlassen hatte. Natürlich könnte man sagen, dass, wenn auch metaphorisch – und nicht faktisch -, ihr Einsatz für die religiöse Gemeinschaft, sie zur Braut Christi machte. Sie fand einen Weg das zu sein, was sie immer sein wollte, ohne die sozialen Vorschriften zu brechen, da Nonnen einen hohen Stellenwert haben. Sie fand einen Weg, die Braut Christi zu werden, ohne als verrückt zu gelten.


Kontaktinformationen:
Dany Nobus

Kommentare

A. | 14-01-2019 11:02

Hallo!

Könnten Sie eine Kopie des Transkriptes hochladen, welches Sie in der Bibliothèque national de France erhalten haben?
DWP/TVP | 15-01-2019 08:58
translation
Hello! Could you upload a copy of the transcript you received from the Bibliothèque national de France?
Dany Nobus | 16-01-2019 20:35
Transcript
A copy of the transcript/translation by Marie Bonaparte of the letter she received from Freud on 15 January 1930.
A. | 19-01-2019 10:06

Thank you!
Bertha | 13-01-2019 00:09
Sehr geehrter Herr Prof. Nobus!
auch ich möchte mich sehr für den interessanten Einblick in das Leben von AvB bedanken. Gibt es auf Tinos noch Orten, die an die Prinzessin und ihre religiöse Gemeinschaft erinnern?
DWP/TVP | 15-01-2019 08:56
translation
Dear Prof. Nobus!
I would also like to thank you for the interesting insight into the life of AvB. Are there places on Tinos that are reminiscent of the princess and her religious order?
Dany Nobus | 16-01-2019 21:03
Tinos
To the best of my knowledge, no places on Tinos are directly reminiscent of the Christian Sisterhood of Martha and Mary, as the religious order Princess Alice established was called--by analogy with the Marfo-Mariinski convent her Aunt Ella had established -- but every so often her presence on the island is remembered by the people of Tinos with great pride. I´m attaching a copy of the local Tinos newspaper from April-June 2012. I´ve highlighted the relevant parts of the coverage Princess Alice received here on p. 7, which also includes a copy of the original announcement of her arrival on the island in 1948.
Helen Carabott | 10-01-2019 11:21

Very interesting article! Congratulations!
Sabrina Zehetner | 09-01-2019 13:29

Read more about the history of psychoanalysis: > Weblink
DWP/TVP | 09-01-2019 12:50
Dear Prof. Nobus!
Thank you very much for your interview. Today we present Part I. Part II will follow next Wednesday.
Like every week, our readers are now invited to comment or to ask questions; Prof. Nobus is joining our forum aswell! best wishes

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