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Leitartikel


DER WIENER PSYCHOANALYTIKER möchte nicht nur bereits international etablierten Psychoanalytikern/Innen, sondern auch noch unbekannten Psychoanalytikern/Innen die Gelegenheit geben einen selbstverfassten, bisher noch nicht publizierten Artikel auf der Titelseite unseres Onlinemagazins zu posten!

Im Forum werden dann dazu alle User Stellung nehmen, Fragen formulieren und kommentieren können. Wir wollen dadurch einen bisher so noch nicht dagewesenen, internationalen Gedankenaustausch zwischen Psychoanalyse-Interessierten ermöglichen.
Aktuelle Textsprache ist Deutsch und/oder Englisch.

Bei Interesse, Ihre Zusendungen bitte an:
leitartikel@derwienerpsychoanalytiker.at


(Werden Personenbezeichnungen aus Gründen der besseren Lesbarkeit lediglich in der männlichen oder weiblichen Form verwendet, so schließt dies das jeweils andere Geschlecht mit ein.)

IM GESPRÄCH MIT

Autor/in: JEAN-CHRISTOPHE BÉTRISEY / DWP

(14.11.2018)
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In unserer Interviewreihe "im Gespräch mit" stellen wir kurz die Autoren der Leitartikel vor. Damit wollen wir unseren Usern die Möglichkeit geben, die Leitartikel auch aus einer anderen Perspektive heraus lesen zu können.

Diese Woche freuen wir uns ganz besonders Jean-Christophe Bétrisey aus Genf, Schweiz zu begrüßen.

Jean-Christophe Bétrisey ist ein Schweizer Psychoanalytiker mit Sitz in Genf. Er ist Mitglied des Vorsitzes der Schweizer Gruppe des Charles Baudouin International Institute für Psychoanalyse und Psychotherapie sowie ein ehemaliges Mitglied des internationalen  Vorstandes. Er ist außerdem assoziiertes Mitglied der Internationalen Gesellschaft für multidisziplinäre Psychoanalyse, Mitglied der Schweizerischen Vereinigung der Psychologen und Mitglied des Internationalen Netzwerks für das Studium der Traumtherapie.
Gründer von EcoutAdom - psychiatrische und psychotherapeutische Beratung zu Hause für ältere Menschen - interessiert sich auch besonders für die Gerontechnologie.
2017 gründete er eine literarische Sammlung mit dem Titel "Collection du Divan", in der berühmte Persönlichkeiten wie Louis Kahn oder Sigmund Freud auf seiner Couch liegen. Weitere Bücher sind in Vorbereitung.
2017 war er auch einer der Gewinner der 100 Persönlichkeiten der Suisse romande (französischsprachige Schweiz).
Er hat mehrere wissenschaftliche Artikel sowie Bücher verfasst und ist regelmäßig in der Presse zu psychologischen und sozialen Fragen zu sehen.

 

DWP: Was brachte Sie zur Psychoanalyse?

Jean-Christophe Bétrisey: Schon in jungen Jahren interessierte ich mich für die Tiefen der Welt. Es lag daher nahe, dass ich mich dann für die Traumanalyse, und damit für die Psychoanalyse interessierte.


DWP: Wenn Sie die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Sigmund Freud hätten, was würde wohl zum Thema werden? Gibt es konkrete Fragen?

Jean-Christophe Bétrisey: Ich würde die Frage eher umkehren wollen: "Welche Fragen würde er uns stellen, was würde  ihn neugierig machen? “.
Ich bin wahrscheinlich in dieser Antwort von meiner neuesten Arbeit über Freud (Sigmund Freud sur le divan du psychanalyste) beeinflusst. Daher würde er wohl fragen, was wir mit seiner Arbeit gemacht haben, wie wir sie heute verstehen, wie weit wir mit unserer Forschung sind und wie wir seine Entwicklung sehen?


DWP: Stoff- oder Ledercouch?

Jean-Christophe Bétrisey: Ledercouch


DWP: Bruno Bettelheim hat auf die Bedeutung vom Märchen hingewiesen - verraten Sie uns Ihr Lieblingsmärchen? Und erkennen Sie Parallelen zur Entwicklung Ihres Lebens?

Jean-Christophe Bétrisey: "Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern" erlaubte es mir, einige Traumata zu entdecken. Erst viel später habe ich etwas unternommen, aber das ist meine "interne und persönliche Küche".


DWP: Ich träume…..

Jean-Christophe Bétrisey: Um ausschließlich im Rahmen einer psychoanalytischen Fragestellung zu bleiben, würde ich hier gerne ein Gedicht wiedergeben, das sich auf die Tiefen bezieht, und das ich vor vielen Jahren geschrieben habe.

Die ursprüngliche französische Version lautet wie folgt:

Dans un petit rêve, je rêve que je rêve
D’un lieu avec une température d’or
Et des roses à qui l’on demande une trêve
Contre des épines laissées sur leurs corps.

Ce vaste monde détaché de la pensée
Et du cauchemar du mur entaché de blanc
N’arrive pas à peindre une émotion pesée
Pour abandonner cette relation d’enfant.

Pour enfin me lier à cet autre et apprendre,
Il me faut baigner dans les profondeurs du feu
Qui est tellement vrai qu’il ne peut le comprendre
Et n’entend pas ces cris qui coulent de mes yeux.

 
[Übersetzt vom DWP:
In einem kleinen Traum träume ich, dass ich träume.                                                                                      
Von einem Ort mit einer goldenen Temperatur                                                                                            
Und Rosen, von denen ein Waffenstillstand verlangt wird.                                                                            
Gegen die Dornen, die auf ihren Körpern zurückgelassen wurden.

Diese riesige Welt, die sich vom Denken gelöst hat.                                                                    
Und der Alptraum der weiß getünchten Wand. 
Ich kann keine gewogenen Emotionen malen,                                                                         
Um diese kindliche Beziehung aufzugeben.

Um mich endlich mit dieser anderen Person zu verbinden und zu lernen,                                                         
Muss ich in den Tiefen des Feuers baden.                                                                                                             
Welches so wahr ist, dass er es nicht verstehen kann.                                                                                             
Und hör nicht die Schreie, die aus meinen Augen fliegen.]

 
DWP: Was finden Sie an der Psychoanalyse gut bzw. besonders gut und gibt es etwas was Sie an ihr nicht mögen?

Jean-Christophe Bétrisey: Es ist sicherlich eine außergewöhnliche Arbeit, die man an sich selbst vornimmt und eine ebenso gründliche Ausbildung. Ich glaube jedoch, dass es notwendig ist, die Technik weiterzuentwickeln, damit man sie im 21. Jahrhundertzur Gänze nutzen kann.


DWP: Welchen Herausforderungen mussten Sie sich während Ihrer analytischen Ausbildung stellen?

Jean-Christophe Bétrisey: In meiner Ausbildung zum Analytiker war es am schwierigsten, mich nicht nur mit Theorie zu beschäftigen, sondern auch ich selbst zu werden. Indem ich ich-selbst wurde, war es mir möglich, wann immer es machbar ist, meinen Patienten völlige Freiheit zu geben, ohne sie theoretisch einzuschränken.


DWP: Haben Sie ein Lieblingszitat von Freud?

Jean-Christophe Bétrisey: So bleibt man immer ein Kind seiner Zeit, auch mit dem, was man für sein Eigenstes hält.

 
DWP:  Außer Sigmund Freud, gibt es Psychoanalytiker mit denen Sie sich auch gerne auseinandersetzen?

Jean-Christophe Bétrisey: Wie man in dem Artikel " Les 7 instances de la psychanalyse - Baudouin entre Freud et Jung [N.T. Die sieben Instanzen der Psychoanalyse - Baudouin zwischen Freud und Jung]" sehen kann, habe ich ein sehr großes Interesse an Charles Baudouin. Ich denke auch, dass es wichtig ist, die Gründerväter und ihre Schüler zu kennen.


Herzlichen Dank für dieses Gespräch, wir freuen uns bereits jetzt Alle auf Ihren Leitartikel!


Kontaktinformationen:
Jean-Christophe Bétrisey


Dans notre série d´interviews "im Gespräch mit", nous présentons brièvement les auteurs des éditoriaux. Nous voulons donner à nos utilisateurs la possibilité de lire les éditoriaux d´un point de vue différent.

Cette semaine, nous sommes particulièrement heureux d´accueillir Jean-Christophe Bétrisey de Genève, Suisse:

Jean-Christophe Bétrisey est psychanalyste à Genève. Il est membre de l’Institut International de Psychanalyse et de Psychothérapie Charles Baudouin et ancien membre du conseil de direction international ainsi que de la présidence du groupe suisse, membre associé de la Société Internationale de Psychanalyse Multidisciplinaire et membre du International Network for the Study of Waking Dream Therapy.
Fondateur d’EcoutAdom - consultations psychiatriques et psychothérapeutiques à domicile pour les personnes âgées -, il s´intéresse également de près aux gérontechnologies.
Il a fondé en 2017 la "Collection du Divan" où s’allongent des personnages célèbres comme Louis Kahn ou Sigmund Freud. De nombreux autres ouvrages sont en préparation.
Régulièrement dans la presse pour des questions psychologiques ou encore pour des faits de société, il a écrit plusieurs articles scientifiques ainsi que des livres (Maquette d´un banal jeune homme, Psychanalyse, Poésie, Photographie : le récit d´une introspection, The Cure - One hundred songs -, Louis Kahn sur le divan du psychanalyste, Sigmund Freud sur le divan du psychanalyste).
En 2017 également, il a été l´un des lauréats des personnalités qui font la Suisse romande (Forum des 100).



DWP: Comment en êtes-vous venu à la psychanalyse?

Jean-Christophe Bétrisey: Dès le plus jeune âge, j’ai eu de l’intérêt pour le monde des profondeurs. Il était donc naturel que je m’intéresse ensuite à l’analyse des rêves et donc à la psychanalyse.


DWP: Si vous aviez la possibilité de vous entretenir avec Sigmund Freud, quels sujets souhaiteriez-vous aborder? Avez-vous des questions concrètes?

Jean-Christophe Bétrisey: J’aurais tendance à vouloir inverser la question : « quelles questions nous poserait-il, de quoi serait-il curieux ? ».

Je suis sans doute influencé par mon dernier ouvrage sur Freud (Sigmund Freud sur le divan du psychanalyste) dans cette réponse. Par conséquent, il demanderait ce que nous avons fait de son œuvre, comment nous la comprenons aujourd’hui, où nous en sommes dans nos recherches et comment nous voyons son évolution ?


DWP: Canapé en cuir ou en tissu?

Jean-Christophe Bétrisey: Leather couch.


DWP: Bruno Bettelheim insistait sur la signification des contes. Quel est votre conte préféré? Établissez-vous des parallèles avec l´évolution de votre propre vie?

Jean-Christophe Bétrisey: « La petite fille aux allumettes » m’a permis de découvrir certains traumatismes. Ce n’est que bien plus tard que j’en ai fait quelque chose mais cela est ma « cuisine interne et personnelle ».


DWP: Je rêve de / que...

Jean-Christophe Bétrisey: Pour rester uniquement dans la question psychanalytique, je reprendrais un poème en lien avec les profondeurs que j’ai écrit il y a de nombreuses années.

La version originale française donne cela:

Dans un petit rêve, je rêve que je rêve
D’un lieu avec une température d’or
Et des roses à qui l’on demande une trêve
Contre des épines laissées sur leurs corps.

Ce vaste monde détaché de la pensée
Et du cauchemar du mur entaché de blanc
N’arrive pas à peindre une émotion pesée
Pour abandonner cette relation d’enfant.

Pour enfin me lier à cet autre et apprendre,
Il me faut baigner dans les profondeurs du feu
Qui est tellement vrai qu’il ne peut le comprendre
Et n’entend pas ces cris qui coulent de mes yeux.


DWP: Quels sont les aspects positifs voire très positifs de la psychanalyse et quels sont ceux qui vous déplaisent?

Jean-Christophe Bétrisey: Il s’agit assurément d’un travail sur soi-même extraordinaire, une formation également approfondie. Il me semble cependant nécessaire de faire évoluer la technique et la rendre totalement utilisable au XXIe siècle.


DWP: Quels défis avez-vous dû surmonter pendant votre formation analytique?


Jean-Christophe Bétrisey: Dans ma formation d’analyste, le plus difficile a été de ne pas rester dans une théorie mais de devenir moi-même. En devenant moi-même, si cela est réalisable, il m’a été possible de donner toute liberté à mes patients sans les enfermer dans une théorie.


DWP: Avez-vous une citation préférée de Freud?

Jean-Christophe Bétrisey: «Ainsi reste-t-on toujours un enfant de son temps, même pour ce que l’on considère comme le plus intimement personnel».


DWP: Mis à part Sigmund Freud, avec quels autres psychanalystes aimeriez-vous pouvoir échanger?

Jean-Christophe Bétrisey: Comme nous le voyons dans l’article que je viens d’écrire « Les 7 instances de la psychanalyse - Baudouin entre Freud et Jung - », j’ai un très fort intérêt pour Charles Baudouin. Je pense également qu’il est important de connaître les pères fondateurs ainsi que leurs disciples.


Merci beaucoup pour cette interview, nous nous réjouissons déjà de votre éditorial!


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