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Leitartikel


DER WIENER PSYCHOANALYTIKER möchte nicht nur bereits international etablierten Psychoanalytikern/Innen, sondern auch noch unbekannten Psychoanalytikern/Innen die Gelegenheit geben einen selbstverfassten, bisher noch nicht publizierten Artikel auf der Titelseite unseres Onlinemagazins zu posten!

Im Forum werden dann dazu alle User Stellung nehmen, Fragen formulieren und kommentieren können. Wir wollen dadurch einen bisher so noch nicht dagewesenen, internationalen Gedankenaustausch zwischen Psychoanalyse-Interessierten ermöglichen.
Aktuelle Textsprache ist Deutsch und/oder Englisch.

Bei Interesse, Ihre Zusendungen bitte an:
leitartikel@derwienerpsychoanalytiker.at


(Werden Personenbezeichnungen aus Gründen der besseren Lesbarkeit lediglich in der männlichen oder weiblichen Form verwendet, so schließt dies das jeweils andere Geschlecht mit ein.)

IM GESPRÄCH MIT

Autor/in: VALERIA PORTALUPPI / DWD (TVP)

(01.08.2018)
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In unserer Interviewreihe "im Gespräch mit" stellen wir kurz die Autoren der Leitartikel vor. Damit wollen wir unseren Usern die Möglichkeit geben, die Leitartikel auch aus einer anderen Perspektive heraus lesen zu können.

Diese Woche freuen wir uns ganz besonders Valeria Portaluppi aus Buenos Aires, Argentinien zu begrüßen.

Valeria Portaluppi ist eine Psychoanalytikerin aus Argentinien, die 2010 ihr Studium an der Universität von Buenos Aires mit Auszeichnung abschloss. Von 2012 bis 2015 absolvierte sie eine Interdisziplinäre Residenz für Geistesgesundheit im Krankenhaus "Colonia Nacional Dr. Manuel Montes de Oca". In der gleichen Einrichtung war sie Residenz- Leiterin von 2015 bis 2016. Nach dem Abschluss ihrer Spezialisierung für psychischer Gesundheit absolvierte sie eine "Gerontology Post Basic Interdisciplinary Residency" im Krankenhaus "Dr. Velez Sarsfield "von 2016 bis Juni 2018.
Derzeit arbeitet sie für die Leiterin des Interdisziplinären Zentrums für geistige Gesundheit des Krankenhauses "Colonia Nacional Dr. Manuel Montes de Oca" und in der Abteilung „Primary Health Service“ in derselben Einrichtung.
Sie hat ihr eigenes Büro, arbeitet mit Jugendlichen, Erwachsenen und älteren Menschen.

Am Ende des Jahres sollte sie ihr Aufbaustudium “Clinical Psychology of Psychoanalytic Orientation [N.T. Klinische Psychologie der psychoanalytischen Orientierung]" an der Universität von Buenos Aires und "Berufsorientierung" an der Nationale Universität von Tres de Febrero beendet haben.
 


DWP: Was brachte Sie zur Psychoanalyse?

Valeria Portaluppi: Ich denke, ich könnte drei verschiedene Gründe nennen.

Vor der Universität war es die Idee, dass etwas Unbekanntes die Handlungen über den Willen der Menschen hinaus befehligte. Ich meine, die erste Idee, die ich vom System des Unbewussten hatte, hing mit dieser stereotypen Situation zusammen: Jemand, der nicht aufhören konnte, etwas zu tun, obwohl er aufhören wollte.
Mein Kursprogramm war eng mit Sigmund Freud als einem der Hauptautoren in jedem Fach verbunden. Died war für mich sehr aufschlussreich.

Die Beantwortung dieser Frage konfrontiert mich mit einem Mangel an Signifikanten, die vollständig vermitteln könnten, was Freud für mich bedeutete, als ich seine Arbeit, sein Engagement und seinen großen Wert für die Menschheit kennenlernte.

Ich betrachte seine theoretischen Entwicklungen als wirklich revolutionär und werde immer erfreut und dankbar sein, für dieses ermächtigende Werkzeug, das er uns hinterlassen hat. Sich die Zeit zu nehmen über unbewusste Determinanten nachzudenken, der Ort, an dem die eigene Geschichte in jedem Leben Einfluss nimmt, und die Möglichkeit, etwas anderes zu wählen, ist für mich enorm wichtig und ethisch.

Während ich an der Universität studierte, begann ich meine eigene Analyse und konnte selbst die Kraft (der Psychoanalyse) erfahren; auch wenn es Zeit, Geld, Angst und die Verpflichtung erforderte, jene Bereiche zu erforschen, die man manchmal paradoxerweise besser allein lassen sollte.

Schließlich, als ich meinen Abschluss macht, und anfing als Psychoanalytikerin zu arbeiten, konnte ich mit den Prozessen anderer Menschen in Kontakt kommen und feststellen, wie sie Veränderungen in ihr Leben einführten, die sowohl ihr Wohlbefinden vergrößerten als auch ihr Leid verringerten. All dies war eine Folge davon, dass sie begannen, ihr Leben nach ihren eigenen Wünschen zu leben, und sich ihrer unbewussten Determinanten und Wiederholungen bewusst zu werden. Diese therapeutischen Entwicklungen bewegen mich noch immer.  
 

DWP: Wenn Sie die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Sigmund Freud hätten, was würde wohl zum Thema werden? Gibt es konkrete Fragen?

Valeria Portaluppi: Zuerst würde ich ihn ins Café Central in Wien einladen, und dann, ich weiß es nicht, würde ich gerne mehr über ihn erfahren, wie er sich fühlte, als er Wien verlassen musste, wie sein Leben im Londoner Exil war. Ich würde gerne mehr über persönliche Aspekte wissen. Ich würde ihm sogar meine Unterstützung anbieten in Bezug auf das Leiden, das er erlitt, als seine Schwestern in ein Konzentrationslager geschickt wurden.

Seine wissenschaftliche Arbeit ist so überwältigend, dass ich noch viel mehr zu lesen habe, bevor ich ganz sicher sein kann, dass meine Fragen nicht bereits an anderer Stelle beantwortet wurden.

 
DWP: Stoff- oder Ledercouch?

Valeria Portaluppi: Unbedingt Stoff!


DWP: Bruno Bettelheim hat auf die Bedeutung vom Märchen hingewiesen - verraten Sie uns Ihr Lieblingsmärchen? Und erkennen Sie Parallelen zur Entwicklung Ihres Lebens?

Valeria Portaluppi: Mein Lieblingsmärchen als Kind war Hänsel und Gretel, auch wenn ich es ein bisschen beängstigend fand. Heute kann ich einige Parallelen zwischen der Geschichte und meiner Liebe zu den Wäldern, Küchen und Tieren finden.
 

DWP: Ich träume ...

Valeria Portaluppi: Ich träume davon, in einer Stadt zu leben, die von Bergen und Seen umgeben ist, ein Holzhaus zu haben, in dem ich mit meinem Mann (auch einem Psychoanalytiker) einen Nachmittagstee mit unseren Katzen als Gesellschaft haben kann.


DWP: Was finden Sie an der Psychoanalyse gut, bzw. besonders gut und gibt es etwas was Sie an ihr nicht mögen?


Valeria Portaluppi: Ich empfinde die Psychoanalyse in ihrer Rolle als Instrument der Ermächtigung besonders gut. Ich denke, es ist auch eine großartige Ressource, um verschiedene Arten von aktuellen Ereignissen zu analysieren. Manchmal mag ich nicht, was einige Fachleute im Namen der Psychoanalyse sagen.

 
DWP: Welchen Herausforderungen mussten Sie sich während Ihrer analytischen Ausbildung stellen?

Valeria Portaluppi: Viele! Ich schätze, es ist immer eine Herausforderung, da jeder einzelne Patient seine eigene Geschichte präsentiert, nach der der Psychoanalytiker mit der Übertragung in einer Weise umgehen muss, die zu dem Patienten passt. .
Außerdem ist es manchmal sehr mitanzuhören, welches Leid einige Menschen erlebt haben und von Situationen zu hören, in denen sie verletzlich waren oder von anderen verletzt wurden. Es ist auch berührend, vom Schmerz zu hören, der mit dem Verlust einer geliebten Person verbunden ist.


DWP: Haben Sie ein Lieblingszitat von Freud?

Valeria Portaluppi: Ja, natürlich viele, aber bei dieser besonderen Gelegenheit werde ich eines wählen, das sich auf das Thema meines Artikels bezieht: „Tatsächlich wird aber das Ich nach der Vollendung der Trauerarbeit wieder frei und ungehemmt.“

 
DWP:  Außer Sigmund Freud, gibt es Psychoanalytiker mit denen Sie sich auch gerne auseinandersetzen?

Valeria Portaluppi: Ja, ich setze mich auch gerne mit Jacques Lacan auseinander.


Herzlichen Dank für dieses Gespräch, wir freuen uns bereits jetzt Alle auf Ihren Leitartikel!


Kontaktinformationen der Autorin:
Valeria Portaluppi


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