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Leitartikel


DER WIENER PSYCHOANALYTIKER möchte nicht nur bereits international etablierten Psychoanalytikern/Innen, sondern auch noch unbekannten Psychoanalytikern/Innen die Gelegenheit geben einen selbstverfassten, bisher noch nicht publizierten Artikel auf der Titelseite unseres Onlinemagazins zu posten!

Im Forum werden dann dazu alle User Stellung nehmen, Fragen formulieren und kommentieren können. Wir wollen dadurch einen bisher so noch nicht dagewesenen, internationalen Gedankenaustausch zwischen Psychoanalyse-Interessierten ermöglichen.
Aktuelle Textsprache ist Deutsch und/oder Englisch.

Bei Interesse, Ihre Zusendungen bitte an:
leitartikel@derwienerpsychoanalytiker.at


(Werden Personenbezeichnungen aus Gründen der besseren Lesbarkeit lediglich in der männlichen oder weiblichen Form verwendet, so schließt dies das jeweils andere Geschlecht mit ein.)

IM GESPRÄCH MIT

Autor/in: HANS-JOACHIM MAAZ / DWP

(02.05.2018)
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In unserer Interviewreihe "im Gespräch mit" stellen wir kurz die Autoren der Leitartikel vor. Damit wollen wir unseren Usern die Möglichkeit geben, die Leitartikel auch aus einer anderen Perspektive heraus lesen zu können.
 
Diese Woche freuen wir uns ganz besonders Hans-Joachim Maaz aus Halle, Deutschland zu begrüßen.

Hans-Joachim Maaz ist Doktor med.
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie/Psychoanalyse
von 1980 - 2008 Chefarzt der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik im Diakoniekrankenhaus Halle/S.
Vorsitzender des Choriner Instituts für Tiefenpsychologie und psychosoziale Prävention
Vorsitzender der Hans-Joachim Maaz Stiftung Beziehungskultur



DWP: Was brachte Sie zur Psychoanalyse?

Hans-Joachim Maaz: Das Bedürfnis nach Selbsterkenntnis und Gesellschaftsanalyse, wobei die politisch-ideologische Abwertung als „bürgerliche Irrlehre“ in der ehemaligen DDR ein besonderer Anreiz war, herauszufinden, weshalb die Psychoanalyse eine solche besondere „Ehrung“ erfährt.
 

DWP: Wenn Sie die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Sigmund Freud hätten, was würde wohl zum Thema werden? Gibt es konkrete Fragen?

Hans-Joachim Maaz: Ich wäre bemüht, die Gründe der Konkurrenz-Kämpfe und gegenseitigen Abwertungen unter Analytikern zu verstehen und zu deuten.
Ich möchte Freud nach dem Beziehungsverhältnis mit seiner Mutter fragen und zu seinen Beziehungen mit Frauen, und mit ihm über die mögliche Psychodynamik seiner Krebserkrankung reflektieren.

 
DWP: Stoff- oder Ledercouch?

Hans-Joachim Maaz: Natürlich Stoff-Couch, die ist „wärmer“.
 

DWP: Bruno Bettelheim hat auf die Bedeutung von Märchen hingewiesen – verraten Sie uns Ihr Lieblingsmärchen? Und erkennen Sie Parallelen zur Entwicklung Ihres Lebens?

Hans-Joachim Maaz: „Des Kaisers neue Kleider“. In allen Gesellschaftsformationen, in die ich hineingeboren (Nationalsozialismus) oder die ich miterlebt habe (DDR-Sozialismus), und die ich heute kritisiere (narzisstische Gesellschaft), sind Lüge und Heuchelei gegenüber der „Obrigkeit“ eine wesentliche Quelle einer „Normopathie“ durch ein dominierendes Mitläufer-Syndrom.


DWP: Ich träume…

Hans-Joachim Maaz: Ich träume von einer wirklich glücklichen Kindheit, die nur durch „Beziehungskultur“ zwischen Eltern und Kind erreicht werden kann. Beziehung statt Erziehung, Bindung statt Bildung!
 

DWP: Was finden Sie an der Psychoanalyse gut, bzw. besonders gut und gibt es etwas, was Sie an ihr nicht mögen?

Hans-Joachim Maaz: Besonders gut finde ich die Entdeckung des Unbewussten und die Möglichkeit, am und mit dem Unbewussten zu arbeiten. Therapeutisch sehr hilfreich ist die Arbeit mit Übertragung und Gegenübertragung als Basis einer beziehungsgetragenen therapeutischen Arbeit.

Kritisch sehe ich den sog. „Ödipus-Komplex“! Ein zwar wesentlicher Mythos für das Eltern-Kind-Verhältnis, aber völlig falsch gedeutet. Der Mythos beschreibt die doppelte Schuld der Eltern, die den Sohn Ödipus töten wollen. Später fordert der Vater (König Laios), der Sohn (Ödipus) möge ihm aus dem Wege gehen, und die Mutter (Iokaste) heiratet ihren Sohn, denn nur sie hätte an den Schwellfüßen von Ödipus erkennen können, dass es ihr Sohn ist. Diesen Mythos so auszulegen, dass der Sohn (das Kind) die Aufgabe hätte, eine „libidinöse“ Verstrickung mit den Eltern zu überwinden, halte ich für absurd und für eine verhängnisvolle Folge der Abkehr von der Verführungstheorie zur Triebtheorie.

 
DWP: Welche Herausforderungen mussten Sie sich während Ihrer analytischen Ausbildung stellen?

Hans-Joachim Maaz: Dass die „klassische“ Analyse auf der Couch begrenzt bleibt und die therapeutische Bearbeitung der präverbalen strukturbildenden Beziehungserfahrungen (der sog. „Frühstörungen“) ein anderes Setting und andere therapeutische Interventionen fordern. Deshalb habe ich mich den Körperpsychotherapien zugewendet, und war nach entsprechender Selbsterfahrung bemüht, die Integration körperpsychotherapeutischer Interventionen in analytische und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie theoretisch und praktisch zu vollziehen und zu lehren.


DWP: Haben Sie ein Lieblingszitat von Freud?

Hans-Joachim Maaz: "Wo Es war, soll Ich werden."


DWP: Außer S. Freud, gibt es Psychoanalytiker, mit denen Sie sich gerne auseinandersetzen?

Hans-Joachim Maaz: Wilhelm Reich, Erich Fromm, Horst-Eberhard Richter, Michael Lucas Moeller.

Herzlichen Dank für dieses Gespräch, wir freuen uns bereits jetzt Alle auf Ihren Leitartikel!


Kontaktinformationen des Autors:
Hans-Joachim Maaz


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