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Leitartikel


DER WIENER PSYCHOANALYTIKER möchte nicht nur bereits international etablierten Psychoanalytikern/Innen, sondern auch noch unbekannten Psychoanalytikern/Innen die Gelegenheit geben einen selbstverfassten, bisher noch nicht publizierten Artikel auf der Titelseite unseres Onlinemagazins zu posten!

Im Forum werden dann dazu alle User Stellung nehmen, Fragen formulieren und kommentieren können. Wir wollen dadurch einen bisher so noch nicht dagewesenen, internationalen Gedankenaustausch zwischen Psychoanalyse-Interessierten ermöglichen.
Aktuelle Textsprache ist Deutsch und/oder Englisch.

Bei Interesse, Ihre Zusendungen bitte an:
leitartikel@derwienerpsychoanalytiker.at


(Werden Personenbezeichnungen aus Gründen der besseren Lesbarkeit lediglich in der männlichen oder weiblichen Form verwendet, so schließt dies das jeweils andere Geschlecht mit ein.)

"IM GESPRÄCH MIT"

Autor/in: JOSE MAANMIELI / DWP

(03.01.2018)
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In unserer Interviewreihe "im Gespräch mit" stellen wir kurz die Autoren der Leitartikel vor. Damit wollen wir unseren Usern die Möglichkeit geben, die Leitartikel auch aus einer anderen Perspektive heraus lesen zu können.

Diese Woche freuen wir uns ganz besonders Jose Maanmieli zu begrüßen.

Er hat Physik an der Universität von La Laguna (Spanien) studiert. Später arbeitete er als professioneller Musiker und entwickelte ein Interesse an der menschlichen Natur, Sexualität, Beziehungen und dem Verstand. Diese und andere Interessen führten ihn zu seiner gegenwärtigen Aktivitäten als Philosoph in Finnland. Während er sich auf die Grundlagen des Lebens konzentriert, interessiert er sich besonders für die psychologischen Dimensionen von psychischen Erkrankungen als soziales Phänomen. Er war Co-Autor des Artikels Psykoosi: Sosiaalinen Destruktionismi, [Psychose: Sozialer Destruktionismus] der dieses Jahr (2017) in Psykoterapia-lehti erschien, der wichtigsten psychoanalytischen Zeitschrift Finnlands. Seine Präsentation "Moral und Geisteskrankheit" wurde im vergangenen November auf der 19. Internationalen Konferenz für Psychiatrie und Philosophie in Madrid vorgestellt. Karoliina Maanmieli, seine Hauptmitarbeiterin, ist Postdoktorandin (Universität Jyväskylä) über den therapeutischen Gebrauch von Poesie und Erzählung. Seine Arbeit liefert die theoretische Grundlage für diese Forschung, obwohl sie noch veröffentlicht werden muss.


DWP: Was brachte Sie dazu sich mit der Psychoanalyse zu beschäftigen, beziehungsweise mit Freud und seinen Errungenschaften?

Jose Maanmieli: Ich brauchte jemanden, mit dem ich über meine Probleme sprechen konnte; da ich das Gefühl hatte, dass niemand mich und meine philosophischen Ideen, welche tief im Persönlichen verwurzelt sind, versteht. Ich fühlte mich intuitiv von der psychoanalytischen Psychotherapie angezogen und war sehr begeistert von der Aussicht, frei sprechen zu können, ohne die üblichen sozialen Zwänge berücksichtigen zu müssen. Natürlich wusste ich schon von Freud und respektierte seine Leistungen sehr, vor allem deren Implikationen für die Philosophie und alle anderen Bereiche des Denkens.


DWP: Haben Sie sich je einer Psychoanalyse unterzogen?

Jose Maanmieli: Ich habe einen psychodynamischen Psychotherapeuten. Es ist keine traditionelle Psychoanalyse, aber nahe genug, und es hilft mir, mich selbst zu entdecken und einige meiner Schmerzen zu lindern. Ich bin aber sehr neugierig auf die Couch.


DWP: Wenn Sie die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Sigmund Freud hätten, was würde wohl zum Thema werden? Gibt es konkrete Fragen?

Jose Maanmieli: Die Natur der Moral. Ich denke, er hätte sich sehr für meinen Aufsatz „Was Moral ist: eine beschreibende Erklärung“ interessiert, denn die biologisch konsequente, wissenschaftliche Behandlung des Themas hätte ihn sicherlich angesprochen, vor allem wenn man seinen Hintergrund berücksichtigt. Ich denke, dass er mir geholfen hätte, ihn zu veröffentlichen, und möglicherweise seinen theoretischen Ansatz entsprechend revidiert hätte, um die Psychoanalyse effektiver zu machen als sie heute ist. Natürlich wäre dieser Artikel in jenen Tagen-vor-Freud und vor dem Internet wahrscheinlich nicht möglich gewesen.


DWP: Stoff- oder Ledercouch?

Jose Maanmieli: Lieber Boden, oder Wasser.


DWP: Ganz nach Bruno Bettelheim, der auf die Bedeutung vom Märchen hinwies. Verraten Sie uns Ihr Lieblingsmärchen? Und erkennen Sie Parallelen zur Entwicklung Ihres Lebens?

Jose Maanmieli: Jetzt, wo ich eine 2-jährige Tochter habe, merke ich, wie sehr ich kein Märchentyp bin. Ich stimme Brunos These insofern zu, das diese Erzählungen sich mit traditionellem familiären Druck befassen, aber ich fühle, dass ich von solchen Belastungen weit entfernt bin und dass ich jetzt Menschen brauche, die mir helfen, neue Geschichten zu erschaffen (ohne Märchen).


DWP: Ich träume…..

Jose Maanmieli: Ich träume von den Tag an dem alle Pferde befreit werden.


DWP: Was finden Sie an der Psychoanalyse gut bzw. besonders gut und gibt es etwas was Sie an ihr nicht mögen?

Jose Maanmieli: In gewissem Sinne, ist die Chance, dass mein Artikel in diesem Magazin veröffentlicht wird, und dieses Interview selbst, ein Spiegelbild der Humanität und Aufgeschlossenheit dieser Disziplin. Das ist es, was ich am meisten mag, abgesehen von ihrem Mut und ihrer Tiefe. Was ich nicht mag, kann als die Menge aller Fälle zusammengefasst werden, in denen sich die Psychoanalyse selbst verrät, wie sie durch die oben genannten Eigenschaften dargestellt wird. Ich sehe die Spaltungen auf diesem Gebiet als Teil von theoretischen Streitereien, die moralischer Natur sind und die weiter "psychoanalysiert" werden müssen. Diese Einschränkungen begrenzen notwendigerweise auch das, was zwischen Therapeut und Patient passiert. Wir müssen die Psychoanalyse psychoanalytisch analysieren.


DWP: Haben Sie ein Lieblingszitat von Freud?

Jose Maanmieli: "Zivilisation begann, als das erste Mal eine wütende Person, anstelle eines Wortes mit einem Stein sprach. Mit dem Vorbehalt, dass das Aussprechen von Worten in der Tat der Ursprung des Menschen ist."


DWP:  Außer Sigmund Freud, gibt es Psychoanalytiker mit denen Sie sich auch gerne auseinandersetzen?

Jose Maanmieli: Als Philosoph muss ich Dinge von oben betrachten, deshalb studiere ich gerne Menschen, die selbst Dinge von oben innerhalb der Psychoanalyse angesehen haben. Mein Lieblingsschriftsteller ist Malcolm Owen Slavin, der viel getan hat, um die verschiedenen psychoanalytischen Schulen zu versöhnen (wieder zu vereinigen), im Lichte eines korrekten Verständnisses von Biologie und Evolution, das leider für die meisten noch immer nicht fassbar ist. Ich bin auch ein Fan von R. D. Laing.


Herzlichen Dank für dieses Gespräch, wir freuen uns bereits jetzt Alle auf Ihren Leitartikel!


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