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Leitartikel


DER WIENER PSYCHOANALYTIKER möchte nicht nur bereits international etablierten Psychoanalytikern/Innen, sondern auch noch unbekannten Psychoanalytikern/Innen die Gelegenheit geben einen selbstverfassten, bisher noch nicht publizierten Artikel auf der Titelseite unseres Onlinemagazins zu posten!

Im Forum werden dann dazu alle User Stellung nehmen, Fragen formulieren und kommentieren können. Wir wollen dadurch einen bisher so noch nicht dagewesenen, internationalen Gedankenaustausch zwischen Psychoanalyse-Interessierten ermöglichen.
Aktuelle Textsprache ist Deutsch und/oder Englisch.

Bei Interesse, Ihre Zusendungen bitte an:
leitartikel@derwienerpsychoanalytiker.at


(Werden Personenbezeichnungen aus Gründen der besseren Lesbarkeit lediglich in der männlichen oder weiblichen Form verwendet, so schließt dies das jeweils andere Geschlecht mit ein.)

IM GESPRÄCH MIT

Autor/in: ANITA DIETRICH-NEUNKIRCHNER / DWP

(15.11.2017)
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In unserer Interviewreihe "im Gespräch mit" stellen wir kurz die Autoren der Leitartikel vor. Damit wollen wir unseren Usern die Möglichkeit geben, die Leitartikel auch aus einer anderen Perspektive heraus lesen zu können.

Diese Woche freuen wir uns ganz besonders Anita Dietrich-Neunkirchner aus Wien, Österreich zu begrüßen.

Geboren 1963 in Wien, Magisterstudium der Psychologie an der Universität Wien, Diplomarbeit zu Gesundheitsselbsthilfeinitiativen in Wien – eine qualitative Studie Psychoanalyseausbildung am Wiener Psychoanalytischen Seminar (WPS), Doktoratsstudium der Psychotherapiewissenschaft an der Sigmund Freud Privatuniversität, Wien, Dissertation „Vielleicht kann man mit anderen schwesterlicher sein als mit der eigenen Schwester“. Frauenpaare als Unternehmerinnen – eine psychoanalytische Studie zur symbolischen Schwesternschaft im beruflichen Kontext.
Mehrjährige Tätigkeit als Psychologin und Psychotherapeutin am Psychiatrischen Krankenhaus Baumgartner Höhe, Gründungsmitglied und mehrjährige Tätigkeit im Verein Selbstlaut (Verein zur Prävention von sexuellem Missbrauch): Beratung, Supervision, Forschung.
Ab 1993 als Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin in freier Praxis.
Von 2003 – 2011 psychoanalytische Lehrtätigkeit am Interuniversitären Kollege Graz/Seggauberg.
Ab 2005: Lektorin, Lehranalytikerin und Supervisorin an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien mit den Schwerpunkten Entwicklungspsychologie, Psychoanalyse der Geschlechterdifferenz, psychoanalytische Technik, Fallsupervision. Forschungsschwerpunkt: klinisch-soziale Fragen des Geschlechterdiskurses, Geschlechterkonstruktion aus psychoanalytischer Sicht – Initiatorin und Leiterin der GenderStudyGroup, einem interdisziplinärem Forschungs- und Literaturseminar.
Ab 2015: Gruppenpsychoanalytikerin in Ausbildung (ÖAGG-Fachsektion GPA)
Aktuelle Publikationen: Vom Hijab bis zur Burka: Geschlechterdiskurs jenseits des Elfenbeinturmes. Zur Ver- und Entschleierung aus psychoanalytischer Sicht. In: Vykoukal E. und M.N. Weiss (Hg): Weltethos und das Unbewusste, Wien, 2014, S.75-94.
Ist die Balintarbeit noch aktuell? Psychoanalytische Supervision von Studierenden unter dem Vorzeichen von Michael Balint. In: Feedback – Zeitschrift für Gruppentherapie und Beratung, Band 1&2, Wien, 2016, S. 6-23.

DWP: Wenn Sie die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Sigmund Freud hätten, was würde wohl zum Thema werden. Gibt es konkrete Fragen?

Anita Dietrich-Neunkirchner: Das Thema würde wohl „Psychoanalyse und Geschlecht“ werden. Nehmen wir weiters an Freud würde heute leben, d.h. er wäre vielleicht weniger patriarchal sozialisiert, so wäre es sehr spannend mit ihm gemeinsam aus einer ideologiekritischen Perspektive heraus über eine radikale Dekonstruktion der klassisch psychoanalytischen Weiblichkeits- und Männlichkeitstheorien nachzudenken, seine Meinung zu queer- theoretischen Ansätzen einzuholen, etc.


DWP: Stoff- oder Ledercouch?

Anita Dietrich-Neunkirchner: Mir ist beides recht, früher hatte ich eine Stoffcouch, jetzt eine Ledercouch.


DWP: Ganz nach Bruno Bettelheim, der auf die Bedeutung vom Märchen hinwies. Verraten Sie uns Ihr Lieblingsmärchen? Und erkennen Sie Parallelen zur Entwicklung Ihres Lebens?

Anita Dietrich-Neunkirchner: Als Kind habe ich Rapunzel sehr gemocht – eine Geschichte über die Loslösung von der Mutter und der Weg hin zu einer eigenständigen reifen Genitalität.


DWP: Ich träume ...

Anita Dietrich-Neunkirchner: ...von einer Welt, wo Differenzen nicht so hart bekämpft (ausgesondert, abgespalten) werden müssen.


DWP: Was finden Sie an der Psychoanalyse gut bzw. besonders gut und gibt es etwas was Sie an ihr nicht mögen?

Anita Dietrich-Neunkirchner: Ich mag an der Psychoanalyse, dass sie sich nicht auf die Heilbehandlung beschränken lässt, sondern Freud uns mit ihr ein Istrumentarium eröffnet hat wie ebenso gesellschaftliche Phänomene hinterfragt werden können.


DWP: Welchen Herausforderungen mussten Sie sich während Ihrer analytischen Ausbildung stellen?

Anita Dietrich-Neunkirchner: Eigenständig denken zu lernen und Mut zur Kritik!


DWP: Haben Sie ein Lieblingszitat von Freud?

Anita Dietrich-Neunkirchner: Da ich Träume sehr liebe, wähle ich dazu zwei Zitate:

“Die Traumdeutung aber ist die Via regia zur Kenntnis des Unbewußten im Seelenleben.” (Traumdeutung, 1900, Kapitel 7)

“Der Traum ist also eine Psychose, mit allen Ungereimtheiten, Wahnbildungen, Sinnestäuschungen einer solchen. Eine Psychose von kurzer Dauer, harmlos, selbst mit einer nützlichen Funktion betraut, von der Zustimmung der Person eingeleitet, durch einen Willensakt von ihr beendet.” (Abriß der Psychoanalyse, 1940)


DWP: Außer Sigmund Freud, gibt es PsychoanalytikerInnen mit denen Sie sich auch gerne auseinandersetzen?

Anita Dietrich-Neunkirchner: Marie Langer, Francoise Dolto, Janine Chasseguel-Smirgel, Hanna Segal, Melanie Klein, Joyce McDougall, Sandor Ferenczi, Donald Winnicott, Jaques Lacan, Vamik Volkan.


Herzlichen Dank für dieses Gespräch, wir freuen uns bereits jetzt Alle auf Ihren Leitartikel!


Kontaktinformationen der Autorin:
Mag. Dr. Anita Dietrich-Neunkirchner


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