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Wien, 14.11.2018, 07:23   DEUTSCH / ENGLISH




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Leitartikel


DER WIENER PSYCHOANALYTIKER möchte nicht nur bereits international etablierten Psychoanalytikern/Innen, sondern auch noch unbekannten Psychoanalytikern/Innen die Gelegenheit geben einen selbstverfassten, bisher noch nicht publizierten Artikel auf der Titelseite unseres Onlinemagazins zu posten!

Im Forum werden dann dazu alle User Stellung nehmen, Fragen formulieren und kommentieren können. Wir wollen dadurch einen bisher so noch nicht dagewesenen, internationalen Gedankenaustausch zwischen Psychoanalyse-Interessierten ermöglichen.
Aktuelle Textsprache ist Deutsch und/oder Englisch.

Bei Interesse, Ihre Zusendungen bitte an:
leitartikel@derwienerpsychoanalytiker.at


(Werden Personenbezeichnungen aus Gründen der besseren Lesbarkeit lediglich in der männlichen oder weiblichen Form verwendet, so schließt dies das jeweils andere Geschlecht mit ein.)

(24.10.2018)

Fällt der Name Sigmund Freud, denken die meisten Menschen sofort an die Psychoanalyse. Freud war jedoch schon eine interessante Forscherpersönlichkeit, bevor er die Psychoanalyse entwickelt hat. Manche der wesentlichen Schritte, die ihn zur Psychoanalyse geführt haben, hat er bereits bei der Bearbeitung seiner vorherigen Forschungsbereiche wie beispielsweise der Neurophysiologie und Psychopharmakologie gemacht. Von einem dieser Schritte, der die Psychoanalyse ermöglicht hat und in einem gewissen Sinne auch ihren Beginn bezeichnet, möchte ich hier erzählen: Im April 1884, als Freud noch ein junger Assistenzarzt am Wiener Allgemeinen Krankenhaus war, las er von einem neuen Arzneimittel, dem „Cocain“. Dieser wirksame Bestandteil des Coca-Blattes war derzeit gar nicht so neu. >> weiter




(20.06.2018)

Die Wiener Schule der Psychoanalyse mit ihrem Schöpfer und Hauptvertreter Sigmund Freud (1856-1939) stieß auf großes Interesse in den USA und wurde besonders prominent, als Freud 1909 die USA besuchte. Psychoanalytisch interessierte Amerikaner strömten nach dem Ersten Weltkrieg nach Wien, bis die Nationalsozialisten die Metropole 1938 übernahmen. Zu diesem Zeitpunkt hatten Sigmund Freud, zusammen mit seiner Tochter, Anna (1895-1982) und viele ihrer (oft jüdischen) Freunde und Patienten, die Stadt und das Land bereits verlassen. >> weiter


Sigmund Freuds Rückkehr nach Wien

Autor/in: Sabrina Zehetner (DWP)

(06.06.2018)

Am 4. Juni wurde die Sigmund Freud Statue von Oscar Nemon am Campus der Medizinischen Universität Wien enthüllt. Wir haben vor der Enthüllung mit Sigmund Freuds Urenkel Lord David Freud und Lady Aurelia Young, der Tochter des Künstlers, gesprochen.


Interview mit Lord David Freud

Welche Beziehung haben Sie zu Wien?

Lord David Freud: Eine sehr komplizierte Beziehung, da mein Vater (Anton Walter Freud) und der Rest der Familie aus Wien hinausgeworfen wurden – die grundlegende Ursache für seine Verunsicherung. Es war sehr charakterbildend, aber nicht im positiven Sinne. Mein Vater war sehr unsicher, wo auch immer er lebte. >> weiter




(30.05.2018)

Zwei berühmte Psychiater, welche die Kunst liebten und deren Häuser zu Museen wurden.

Angelos Katakouzenos (1904-1982) war Pionier und Vertreter der Psychiatriewissenschaft, aber auch einer der bedeutendsten griechischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Er bewunderte und respektierte die Arbeit von Sigmund Freud, ...


SIGMUND FREUD-ΑΓΓΕΛΟΣ ΚΑΤΑΚΟΥΖΗΝΟΣ
ΔΥΟ ΔΙΑΣΗΜΟΙ ΨΥΧΙΑΤΡΟΙ ΠΟΥ ΑΓΑΠΟΥΣΑΝ ΤΗΝ ΤΕΧΝΗ ΚΑΙ ΤΑ ΣΠΙΤΙΑ ΤΟΥΣ ΕΓΙΝΑΝ ΜΟΥΣΕΙΑ

Άγγελος Κατακουζηνός (1904-1982): από τους πρωτοπόρους εκπροσώπους της ψυχιατρικής επιστήμης, αλλά και τους επιφανέστερους πνευματικούς ανθρώπους της ελληνικής διανόησης του 20ου αιώνα, που θαύμαζε και σεβόταν το έργο του πατέρα της ψυχανάλυσης Sigmund Freud, ...
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(25.05.2018)

Wir haben die Psychoanalyse in Belgien unter die Lupe genommen.

Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei Johan de Groef und der psychoanalytischen Gemeinschaft in Belgien bedanken.

Die Entwicklung der Psychoanalyse in Belgien ist eng mit der komplexen Geschichte und Diversität des Landes verbunden. Sigmund Freud selbst besuchte Brüssel auf seiner Reise nach Paris und beschreibt die kosmopolitische Stadt wie folgt:

"Brüssel war wunderschön, riesige Stadt, herrliche Bauten, die Straßenaufschriften franz. u. vlämisch […] einen steilen Hügel kam, wo sich ein Gebäude zeigte, von einer Massenentwicklung u. Säulenpracht, […] Ich hielt es wirklich für den königl. Palast, […] Es war der Justizpalast. […] Oben weitergehend, kam ich bald in die Rue Royale u. nun folgte ein Fund den anderen, das Denkmal von Egmont u. Horn war das schönste.“ >> weiter




(11.04.2018)

Sigmund Freud lebte von 1860 bis 1938 in Wien und hat dort Einsichten gewonnen, die die Welt veränderten. Er war Wissenschaftler und erforschte über ein Jahrzehnt lang zuerst als Zoologe und Neurophysiologe mit dem Mikroskop im Labor die Anatomie des Nervensystems erst niederer, dann höherer Tiere und schließlich das Gehirn des Menschen. Seine Forschungen waren bahnbrechend. Er fand, dass sich die höheren aus den niederen Formen entwickeln diese voraussetzen und wieder darauf regredieren können. Der Nachweis dieser Kontinuität bestätigte Darwins Lehre, dass der Mensch von Tieren abstammt (Evolution) und nicht als schon fertiger Mensch erschaffen wurde (Kreativitätstheorie). >> weiter


“Auf Wiedersehen, Rainer”

Autor/in: Sabrina Zehetner (DWP)

(14.02.2018)

"Ich bin Erinnerungen treu für immer, Menschen werde ich es niemals sein."

Die zahlreichen (1539!) und unterhaltsamen Briefe Freuds an seine Verlobte Martha Bernay erfreuen sich nach ihrer Veröffentlichung 2011 noch immer großer Beliebtheit. Sie beleuchten eine Seite Freuds, die so ganz und gar nicht der allgemeinen Vorstellung entspricht. Hier flirtet der sonst so ernste Psychoanalytiker, macht Komplimente und wirbt um die Zuneigung seiner Angebeteten. >> weiter


Alexander und Sigmund Freud in Griechenland

Autor/in: Helen Carabott (DWP)

(25.10.2017)

Sigmund Freud war ein Fan der altgriechischen Kultur und hatte hervorragende Kenntnisse der altgriechischen Sprache. So sehr war er mit ihr vertraut, dass es ihm leicht gefallen ist auf griechisch sein Tagebuch zu schreiben, als er jung war.

Ο FREUD ΣΤΗΝ ΕΛΛΑΔΑ

Ο Sigmund Freud ήταν λάτρης του αρχαίου ελληνικού πολιτισμού και άριστος γνώστης της αρχαίας ελληνικής γλώσσας. Τόση ήταν η εξοικείωσή του μαζί της, που έγραφε με άνεση στα ελληνικά το ημερολόγιό του, όταν ήταν νέος. >> weiter




Marie Bonaparte: Prinzessin der Psychoanalyse

Autor/in: Helen Carabott (DWP)

(11.10.2017)

Tatoi, einer der schönsten Wälder von Attika, am Fuße des Berges Parnitha gelegen, befindet sich mit einer Fläche von 47 427 Hektar etwa 20 km nördlich des Zentrums von Athen.

MARIE BONAPARTE: Η ΠΡΙΓΚΙΠΙΣΣΑ ΤΗΣ ΨΥΧΑΝΑΛΥΣΗΣ

Κτήμα Τατοΐου: ένα από τα ωραιότερα δάση της Αττικής στους πρόποδες του όρους Πάρνηθα, έκτασης 47.427 στρεμμάτων, που βρίσκεται σε απόσταση 20 περίπου χιλιομέτρων, βόρεια από το κέντρο της Αθήνας. >> weiter




Ist Sigmund Freuds Couch wirklich in London?

Autor/in: Désirée Prosquill (DWP)

(26.07.2017)

Spannendes hat sich in den letzten Wochen in unserer Redaktion zugetragen!

An einem lauen Frühlingsvormittag war ich im neuen Haus einer lieben Bekannten in einem Wiener Außenbezirk zum Kaffee eingeladen. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, was mich die nächste Zeit beschäftigen würde. Die Bekannte führte mich durch ihr neues Heim und zeigte auf eine Stelle im Wohnbereich. Sie erzählte mir, dass an diesem Platz die Couch Freuds, die dem Vorbesitzer gehörte, gestanden ist. Tatsächlich?! Ich war überrascht und fragte nach, was sie damit meinte, und wann denn das gewesen sein soll. Völlig unbeeindruckt von meiner Reaktion, fügte sie hinzu: „Na vor zwei Jahren.“ Meine Bekannte ist psychoanalytisch nicht versiert und weiß bloß, dass ich mich damit beschäftige. Wohl auch deshalb hat sie mir ganz en passant davon berichtet. Ich benötigte eine Weile, um diese Information zu bearbeiten und weihte dann einen vertrauten Experten in die Geschichte ein. Wäre es möglich, dass die Couch Freud es gar nicht bis nach London geschafft hat? Vielleicht nur der Teppich? Unsere Redaktion nahm die Fährte auf. Was befand sich also bis vor zwei Jahren in diesem Haus? Jetzt wollten wir der Sache auf den Grund gehen.



Il divano di Sigmund Freud è veramente a Londra?

Le ultime settimane erano davvero eccitante per la nostra redazione!

Durante una bella mattina di primavera, sono stata invitata per una tazza di caffè nella nuova casa di una amica in uno dei quartieri più belli di Vienna. A quel momento non sospettavo che alla fine di questa visita la mia mente sarebbe talmente occupata nelle prossime settimane. La mia conoscente mi ha guidato attraverso la sua nuova casa e indicò su un posto nel soggiorno. Mi racconto che questo è il luogo dove si trovava il divano di Freud, che era in possesso del precedente proprietario della casa. Davvero?! Ero sorpresa e le chiese che cosa volesse dire, e quando tutto questo era occorso. Completamente ignorando la mia reazione, ha aggiunto: "Beh, due anni fa." La mia amica non ha niente a che fare con psicoanalisi e sapeva solo che io lavoro con essa. Questo è probabilmente il motivo per cui me lo ha raccontato cosi casualmente. Mi c´è voluto un po’ di tempo per digerire queste informazioni, e poi ho confidato la storia a un esperto di fiducia. Potrebbe essere possibile che il divano di Freud non era arrivato fino a Londra? Forse solo il tappeto? La nostra redazione seguì queste tracce. Cosa c’era in questa casa due anni fa? Volevamo andare a fondo di questo mistero. >> weiter


Anton Walter Freud: Ein Leben im Exil

Autor/in: Peter Pirker / Sabrina Zehetner

(19.07.2017)

Der Historiker und Politikwissenschafter Dr. Peter Pirker schildert die Geschichte Anton Walter Freuds, Sigmund Freuds Enkelsohn und sein abenteuerliches Leben als Flüchtling und SOE Agent.


Wie sind Sie zu Anton Walter Freud gekommen und was hat Sie persönlich an der Thematik interessiert?

Peter Pirker: Ich bin im Zuge meiner Recherche zu Österreichern im britischen Kriegsgeheimdienst, der Special Operations Executive, auf Anton Walter Freud gestoßen. Da waren einerseits Wehrmachtsdeserteure dabei und andererseits Juden und politische Gegner, die 1938 von den Nazis aus Österreich vertrieben worden sind. Die Flüchtlinge wurden in England nach einer Phase der Internierung und Einsätzen in den Pionierabteilungen der Britischen Armee zur SOE rekrutiert, weil sie sich bereit erklärt haben, auch gefährliche Einsätze hinter den deutschen Linien durchzuführen und auf diese Weise zum Kampf gegen den Nationalsozialismus beizutragen. Mich hat vor allem diese Geschichte des Widerstandes interessiert - einerseits von Wehrmachtssoldaten, die aus der Wehrmacht desertiert sind, und von Flüchtlingen im Exil, die sich dazu entschlossen haben einen aktiven Beitrag zur Niederschlagung des Nationalsozialismus zu leisten. Am Anfang hatte ich nur eine Liste mit Österreichern die bei SOE gewesen sind und die meisten davon hatten Decknamen, also Namen, die sie zu ihrer eigenen Sicherheit im englischen Exil angenommen haben, damit sie, falls sie während oder nach einem Einsatz festgenommen werden, nicht identifiziert werden können. Einer der wenigen, die ihren Namen nicht geändert haben, war Anton Walter Freud. Für mich war er daher einer, der am leichtesten zu identifizieren gewesen ist und mit Hilfe eines anderen Flüchtlings aus Wien, nämlich Eric Sanders, konnte ich Kontakt aufnehmen. Eric Sanders ist jetzt 97 Jahre alt und der letzte Lebende dieser österreichischen Flüchtlinge, die bei SOE waren. Eric Sanders hat nach 1945 die Reunions, die jährlichen – wenn man so will – Veteranentreffen dieser Gruppe organisiert und auch ein kleines Archiv über die österreichische Abteilung der SOE betrieben. So bin ich über Eric Sanders zu Anton Walter Freud gekommen. Das war 2003. Ich habe damals eine Reise nach England vorbereitet, um mit einer Reihe von ehemaligen Österreichern und Deutschen, die bei SOE gewesen waren, Interviews zu führen. Zu einem direkten Treffen mit Walter Freud ist es nicht mehr gekommen, weil er kurz vor dem vereinbarten Termin im Februar 2004 verstorben ist. Ich hatte allerdings ein längeres Telefonat mit ihm, nachdem ich ihm einen Brief geschrieben hatte. Er versuchte dabei im Wesentlichen einzuschätzen, wer ich bin, welchen Hintergrund ich habe, warum ich mich für seine Geschichte interessiere. Es war sehr interessant, welche Fragen er gestellt hat und was er über Österreich und die österreichische Gesellschaft gesagt hat. >> weiter




Freud, ein Tag in seinem Leben

Autor/in: Todd Raymond Dufresne

(07/06/2017)

Hier ist ein typischer Tag von Freud. Von Montag bis Samstag wachte Freud um 7 Uhr auf. Seine Frau Martha hatte zu der Zeit schon seine täglichen Sachen vorbereitet, von seiner Zahnbürste bis hin zu seinem Gewand. Nachdem er sich angezogen hatte, aß Freud sein Frühstück und dann saß er, während der FRISSEUR, der täglich zu ihm nach Hause kam, seinen Bart trimmte. Freuds Haushälterin Paula Fichtl führte die Patienten ins Wartezimmer in seinem Heimbüro in der Berggasse 19, wo Freud seine Patienten von 8 oder 9 Uhr früh bis 1 Uhr mittags sah. Um 1 Uhr mittags aß Freud eine große Mahlzeit, manchmal in der Gegenwart von Gästen und von 2 bis 3 Uhr ging er für einen flotten Spaziergang auf die Ringstraße – nicht ganz wie Kant in seiner Regelmäßigkeit, aber sehr nahe dran. Während diesen Spaziergängen, wo er oft eines seiner Kinder mitnahm, stoppte er für persönliche Angelegenheiten wie zum Beispiel Zigarren und Zeitschriften, oder er gab die Post auf. Hin und wieder trafen ihn auf dem Weg ein paar seiner freundschaftlichen Anhänger, die seinen täglichen Ablauf kannten, um mit ihn zu reden. Um 3 Uhr war Freud zurück im Büro, um weiter Patienten zu sehen, teilweise bis 9 Uhr am Abend. Danach kam ein spätes Abendessen, vielleicht noch ein Kartenspiel oder eine Konversation mit seiner Schwägerin Minna, oder vielleicht noch ein Spaziergang. Er ging noch einmal ins Büro, wo er seine Theorien bearbeitete, schrieb, lass und erforschte und seinen Tag beendete nachdem er seine oftmals voluminöse Korrespondenz erledigte. Mit der Zeit wurde Freuds Arbeit in 23 (in der Tat unvollständige) Bände gesammelt, während seine Korrespondenz, geschätzt auf ca. 35 000 Briefe, Posthum getrennt in mindestens zwei duzenden Büchern erschienen. Freuds Tag endete ca. um 1 Uhr früh – manchmal sogar später. Dann stand er wieder um 7 Uhr auf. >> weiter




5 Königliche Verbindungen zur Psychoanalyse

Autor/in: Sabrina Zehetner (DWP)

(05.04.2017)

Royaler Besuch! Prince Charles und Camilla statten heute Wien einen Besuch auf ihrer Europa-Tour ab. Mit Freuds Emigration nach Großbritannien, gewann die Psychoanalyse in England an Popularität. Was aber verbindet die Psychoanalyse mit der britischen Monarchie? Eine Geschichte über tapfere Spione und exzentrische Prinzessinnen.


Prinzessin Alice von Battenberg (25.2.1885-5.12.1969)

Die bekannteste königliche Patientin Freuds war - neben Marie Bonaparte - wohl die von Geburt an taube Prinzessin Alice von Battenberg, Mutter von Prinz Philip und Schwiegermutter von Königin Elisabeth II. Ihr Ehemann Andreas von Griechenland und Dänemark musste das Land nach einer Niederlage gegen die Türken verlassen und entging - dank königlicher Unterstützung - der Exekution. Die Familie zog in eine Pariser Vorstadt, wo Alices Verhalten immer exzentrischer wurde. Die Interessen der Prinzessin waren zusehends von spiritueller Natur - Religion und Mystik wurden ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens und sie war der festen Überzeugung mit Buddha und Jesus Christus in Kontakt zu stehen und heilende Kräfte zu besitzen. Sie vertiefte sich bis zur Erschöpfung in die Kunst des Handauflegens, war besessen von Okkultismen und ernannte sich selbst zur Heiligen. Schließlich wurde Alices Gynäkologe Dr. Lourus konsultiert, der eine Psychose diagnostizierte und die Prinzessin zu Dr. Ernst Simmel, einem frühen Mitarbeiter Freuds, nach Tegel zur Psychoanalyse schickte - Simmels Diagnose: Paranoide Schizophrenie. >> weiter




(27.07.2016)

Intersubjektivität in der Psychoanalyse

Infolge der Auseinandersetzung mit der Theorie und Technik der Psychoanalyse bin ich auf die „Theorie der Intersubjektivität“ gestoßen, die mich näher an mein Ziel brachte. Ich möchte einen kleinen Einblick ermöglichen. Eine Definition, die ich gelungen finde, rückt den Patienten und Analytiker in den Mittelpunkt des Verstehens und zeigt, dass „die Psychoanalyse Phänomene zu erhellen versucht, die innerhalb eines spezifischen psychischen Feldes auftauchen, welches durch die Überschneidung zweier Subjektivitäten – der des Patienten und der des Analytikers - konstituiert wird“ (Atwood und Stolorow in Donna M. Orange at al. 2001, 11).

Subjektivität wird in der Theorie der Intersubjektivität vorausgesetzt. Präziser gesagt, geht es um zwei oder mehrere unterschiedliche Subjektivitäten und die Wechselwirkung zwischen diesen (vgl. Donna M. Orange at al. 2001,11). Es geht darum, zu verstehen, dass wir nur innerhalb des intersubjektiven Feldes psychoanalytisch arbeiten und verstehen können, das heißt, wir „müssen die Theorie, die Vorurteile und Grundannahmen überprüfen, die unsere eigene Subjektivität prägen“ (Donna M. Orange at al. 2001, 13). Es wird die Ansicht vertreten, “daß sich relationale Kontexte wechselseitig konstituieren: Wie Literaturtheoretiker manchmal sagen, erschafft der Schriftsteller den Leser, und der Leser läßt den Schriftsteller entstehen“ (Donna M. Orange at al. 2001, 13). >> weiter


(20.07.2016)

Ferenczis Beitrag

Auf die Frage, was Psychoanalyse ist, antwortete Freud einmal: „Ein Gespräch zwischen zwei… Personen. […] Es geht nichts anderes zwischen ihnen vor, als daß sie miteinander reden" (Freud in Haynal, 2000, 11).

Es sollte sich bald herausstellen, dass diese Definition mehr als unzureichend war, vor allem in Bezug auf die Technik. „Freud hat sich leidenschaftlich für die theoretische Erforschung eingesetzt, doch die Technik, die Praxis und die einzigartige Beziehung standen nicht immer im Mittelpunkt seines Interesses“ (Haynal, 2000, 13).

André Haynal stellte in seinem Buch dar, dass es Probleme in Verbindung mit der Technik gab und diese eine doppelte Zweideutigkeit aufwiesen: „In seinen technischen Schriften stellt er Regeln auf, während er diese an anderer Stelle zu entwerten scheint und sagt, diese Regeln seien wie Brücken für >Anfänger< […] Die zweite Zweideutigkeit – scheinbar oder real – liegt bei Freud in dem Widerspruch zwischen seiner Praxis, wie sie uns durch seine Fallbeschreibungen und aus Zeugenaussagen bekannt ist, und seiner >offiziellen< Position, wie sie in seinen Schriften über die Technik erscheint" (Haynal, 2000, 1). >> weiter


(06.07.2016)

Im Gegensatz zu einigen emphatischen Aussagen, war die Psychoanalyse nie einfach eine Methode zur Behandlung von psychischen Störungen. Fast von Anfang an war - und bis zum heutigen Tag - ist die Psychoanalyse ein reichhaltiger und sich entwickelnder Ansatz zur interdisziplinären Forschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Sie ist auch, ohne Zweifel, eine soziale Bewegung, deren Wachstum und Rückgang, Schwankungen und interne Konflikte eine sorgfältige Prüfung erfordern und Reflexionen in sich selbst verlangen, unabhängig davon, wie klinische Analytiker ihr Handwerk ausüben. Diese Geschichtsdimension der Psychoanalyse wurde traditionell von Ärzten vernachlässigt und wird oft durch Kritiker der Psychoanalyse überbetont, die manchmal die Geschichte der Disziplin studieren, um diese zu diskreditieren, anstatt sie zu stärken oder zu verbessern.

Ein auffälliges Merkmal der psychoanalytischen Bewegung war ihre seltsame Kombination von revolutionären und konservativen Elementen. Auf der einen Seite hatten Psychoanalytiker, dank Freud, revolutionäre Einsichten in die Natur der menschlichen Sexualität und psychischen Funktionen; Einsichten, die potenziell höheres Verständnis und Selbsterkenntnis geben konnten und leidende Patienten von neurotischen Symptomen, der einen oder anderen Art befreien. Auf der anderen Seite ist, seit der Gründung der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung, die Exekutive der IPV Innovationen auf der Ebene der Theorie oder Praxis gegenüber oft ganz vorsichtig eingestellt, da sie nur ungern von Freuds eigenen Ideen abweichen. Tatsächlich wurde in der ersten Hälfte des Jahrhunderts nach der Gründung der IPV, die Treue zu Freud häufig aufgerufen als Kriterium der intellektuellen Redlichkeit oder deren Wert, während Meinungsverschiedenheiten mit Freud über grundlegende Sachen als Zeichen des Widerstands interpretiert oder als latente Psychopathologie gewertet wurde. Als Folge wurden diejenigen, die einen entsprechenden Mangel an Freud-Frömmigkeit zeigten, oder zu weit von dem vorherrschenden Konsens unter den wichtigsten Akteuren von Freuds Bekanntenkreis abwichen, ausgeschlossen, oder sie wurden einfach sich selbst überlassen. >> weiter


Meine Beziehung zu Anna Freud

Autor/in: Jeffrey Moussaieff Masson

(10.06.2015)

Für kurze Zeit schien es, als ob ich eine große Zukunft in der Psychoanalyse hätte: Durch meine Freundschaft mit dem formidablen Kurt Eissler, wurde mir eine Position in den Freud Archiven angeboten. In der Tat, war ich dazu bestimmt von Eissler in ein oder zwei Jahren zu übernehmen. Inzwischen wollte er, dass ich mit Anna Freud arbeiten sollte, so dass ihr Haus schließlich ein Forschungszentrum für Freud Studien werden könnte.

So traf ich Anna Freud im Jahr 1980 und entwickelte eine Arbeitsbeziehung mit ihr und eine Art von Freundschaft. Neben meiner Arbeit für die Freud Archive, interessierte ich mich für die Erforschung der Gründe, warum Freud seine Meinung über Kindesmissbrauch verändert zu haben schien: zuerst glaubte er seinen Patienten und deren Erinnerung an einen echten Missbrauch; später änderte er seine Meinung und beschloss, dass fast alle sexuellen Missbräuche, vor allem, wenn der Vater beschuldigt wurde, nur eine Phantasie oder ein Deckerinnerung sein könnten, das eine Erinnerung, die eine frühe Sehnsucht/Begierde nach dem Elternteil des anderen Geschlechts verdeckt/vernebelt/versteckt. >> weiter


Freuds Zusammenarbeit mit Breuer (Teil II)

Autor/in: Juan José Rios

(13.05.2015)

Anwendung, Vertiefung und Abwendung von der Anwendung hypnotischer Techniken

Josef Breuer wurde durch seine Verbindung mit Freud bekannt, der Schöpfer der kathartischen Methode, dessen Name darum unauslöschlich mit den Anfängen der Psychoanalyse verknüpft ist. (Vgl. Freud1925g, S. 562) Freud beschreibt ihn als „einen Mann von reicher, universeller Begabung, dessen Interessen nach vielen Richtungen weit über seine fachliche Tätigkeit hinausgriffen“. (Freud 1925g, S. 562) Freud lernte Breuer 1881 am physiologischen Institut kennen, wo sie bald Freunde wurden. Freud schrieb über Breuer

„Mein Freund und Helfer in schwierigen Lebenslagen. Wir hatten uns daran gewöhnt, alle
wissenschaftlichen Interessen miteinander zu teilen. Natürlich war ich der gewinnende Teil
in diesem Verhältnis.“ (Freud 1925j, S. 43)

1892 beschrieb Freud einen „Fall von Hypnotischer Heilung“, eine Frau die über klassische hysterische Symptome wie Erbrechen, nervöse Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit klagte, über Erregungszustände, die sie hinderten, ihr Kind zu stillen. Nach zwei Behandlungen gab die Patientin die Symptome auf. Freud wiederholte das Gleiche ein Jahr später nach der Geburt ihres zweiten Kindes. Freud meinte bei der Hysterie, dass der Kranke sich nicht über seinen Widerstand bewusst wäre. Die Patientin hatte eine ständige Erschöpfung, was Breuer als hypnoiden Zustand bezeichnete. (Vgl. Freud 1895d, S. 3-17)

1895 veröffentlichte Freud gemeinsam mit Josef Breuer die „Studien über Hysterie“, danach benutzte er das erste Mal die kathartische Methode an einer gewissen Frau Emmy. (Freud 1895d, S. 99) Es wurde keine gründliche Untersuchung und Freud schien sich bei der Behandlung tatsächlich stark auf direkte therapeutische Suggestion verlassen zu haben, die er wie gewöhnlich mit Massage, Bädern und Ruhe verband. (Jones 1982, S.285) >> weiter


Freuds Begegnung mit Hypnose (Teil I)

Autor/in: Juan José Rios

(06/05/2015)

In den achtziger und neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts spielten in der diagnostischen und therapeutischen Neurologie sowohl die galvanische als auch die faradische Elektrizität eine wichtige Rolle. So beschäftigte sich Freud ebenfalls mit diesem Bereich:

„In der Ferne leuchtete der große Name Charcots und so machte ich mir den Plan, hier die Dozentur für Nervenkrankheiten zu erwerben und dann zur weiteren Ausbildung nach Paris zu gehen“. (Vgl. Freud 1925d, S. 40)

Freud hatte seinen ersten Kontakt mit der Hypnose als Student:

„Noch als Student hatte ich einer öffentlichen Vorstellung des ‚Magnetiseurs‘ Hansen beigewohnt und bemerkt, dass eine der Versuchspersonen totenbleich wurde, als sie in kataleptische Starre geriet und während der ganzen Dauer des Zustandes so verharrte. Damit war meine Überzeugung von der Echtheit der hypnotischen Phänomene fest begründet.“ (Freud 1925, S. 40)

Im Jahre 1885/86 reiste Freud nach Paris, wo er Charcot traf und 17 Wochen in seiner Klinik arbeitete. Charcot machte einen gewaltigen Eindruck auf Freud und man nannte die Salpêtrière mit Recht das Mekka der Neurologen. (Vgl. Jones 1982, S. 248) Freud beschrieb Charcot mit:

„(…) Zauber, der von seiner Erscheinung und Stimme ausging, der liebenswürdigen Offenheit, [...] der Bereitwilligkeit, mit der er seinen Schülern alles zur Verfügung stellte, und der Treue, die er ihnen durch das Leben hielt“ (Freud 1925d, S. 26f.)

Bald sollte sich für Freud über die Übersetzung einer Publikation Charcots ein intensiver Kontakt ergeben: >> weiter


Felix Salten und Sigmund Freud

Autor/in: Désirée Prosquill

(28.01.2015)

Liebe Leser!

Aus terminlichen Gründen, war es Prof. Alfred Pritz leider bis heute nicht möglich seinen Artikel freizugeben. "Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben!"
DER WIENER PSYCHOANALYTIKER erlaubt sich daher Ihnen als Ersatz einen Artikel seiner Herausgeberin Désirée Prosquill anzubieten.
Wir hoffen Sie sind nicht zu sehr enttäuscht und können Sie mit unserer Planänderung auch erfreuen.
Im Folgenden können Sie nun über die Beziehung zwischen Felix Salten, dem Autor von "Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde", und Sigmund Freud lesen.
Selbstverständlich wird auch dieses Mal die Autorin für eine Woche im Forum für Fragen und Diskussionen zur Verfügung stehen.

Mit freundlichen Grüßen
DWP



Felix Salten und Sigmund Freud


Jener Artikel, den Felix Salten in der Neuen Freien Presse vom 1. Jänner 1925 schrieb, ist chronologisch betrachtet der erste Beweis, dass Salten von Sigmund Freud mit Sicherheit wusste und zumindest im Groben Kenntnis von seiner Lehre hatte.

„Wenn später einmal Weltgeschichte nicht nach den blutigen Kriegen, sondern nach den geistigen Leistungen der Völker geschrieben wird, muß es geschehen, daß man weder die Marneschlacht noch die Schlacht von Tannenberg, sondern die Lehre Freuds, die Theorie Einsteins, die Forschungsergebnisse Steinachs, die Erfindung des Insulins als große Siege preist. Dann wird man an solchen Erkenntnissen, wird an Errungenschaften, wie am Flugzeug oder am Radio, das Wachstum der menschlichen Macht messen, wird an solchen Ereignissen die Historie der Menschheit erzählen. Dann wird man das erste Viertel des zwanzigsten Jahrhunderts getrost eine große Zeit nennen dürfen, wird mindestens sagen können, es sei der interessante Auftakt eines neuen, großartigen Zeitalters gewesen.“ {Salten, Felix: in: NFP vom 1.1.1925, S. 2. Morgenblatt.}

Auch wenn Beverley Driver Eddy in ihrem Buch ohne weitere Begründung angibt, dass Salten nur ein „passing interest“ {Eddy, Beverley Driver: Felix Salten: Man of Many Faces. 2010 Ariadne Press. S. 152.} an der Freudschen Lehre hatte, so belegt diese Textstelle trotzdem, wie hoch Felix Salten die Lehre Freuds damals einschätzte, sodass er diese sogar in der Reihung der „modernen Wunder“ an erster Stelle anführte. >> weiter


Warum immer noch und wieder Freud?

Autor/in: Thomas Aichhorn

(12.11.2014)

Es ist wahrlich erfreulich, dass es von nun an ein Onlinemagazin mit dem Namen „Der Wiener Psychoanalytiker“ geben wird. Das Ersuchen, einen Leitartikel dafür zu verfassen, habe ich zunächst gern angenommen. Als ich allerdings über die mir gestellten Fragen nachzudenken begann, vor allem über „Was fasziniert Sie an der Psychoanalyse? Gibt es etwas an ihr, was Sie nicht schätzen? Wenn Ja, was?“, wurde mir nur allzu bald klar, dass ich auf manche der Fragen keine Antworten weiß. Gleich auf den ersten Teil der Frage, die Formulierung „Was fasziniert Sie an der Psychoanalyse?“, habe ich keine geeignete Antwort, weil ich nämlich der Überzeugung bin, dass es die Psychoanalyse, was immer das war oder sein sollte, längst nicht mehr gibt. Das hat mein Nachdenken in Bewegung gesetzt.
Zurück zum „Wiener Psychoanalytiker“. Wer anderer als Sigmund Freud sollte das wohl sein?
Aber, warum immer noch und wieder Freud? >> weiter



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