A A A A
Wien, 21.09.2020, 10:18   DEUTSCH / ENGLISH




Angemeldet bleiben



(27.04.2016)
Teilen:


Möchte man den sequentiellen Ablauf einer Ess-Brech-Attacke psychodynamisch interpretieren, ist bereits vor deren eigentlichen Beginn die scheinbare Ausschließlichkeitsbeziehung der Patientinnen mit Nahrung auffallend und von Bedeutung; die gedankliche Beschäftigung mit Lebensmitteln übersteigt hier jedes Maß und wird zum Zentrum der Lebensgestaltung. Es ist beinahe so, als werde geradezu die ganze Welt durch die Lebensmittel ersetzt, was möglicherweise dem immensen Bedeutungsgehalt der Mutter in der frühesten Kindheit gleich kommt. Es scheint sich um eine symbiotische Zweierbeziehung zu handeln, aus der Dritte grundsätzlich ausgeschlossen sind, was auf eine Regression in eine präödipale Phase hinweisen dürfte. Hierfür spricht auch das wachsende Desinteresse an der sozialen Umgebung, was laut Fenichel auf eine „Entleerung der Objektbesetzungen“ [Vgl. Fenichel, 1931, 70; zit. n. Ettl, 2001, 22] hinweist und eine Entsprechung zu dem Gefühl der inneren Leere darstellt [Vgl. Ettl, 2001, 22].

Als unmittelbaren Auslöser für die Fressanfälle kann ein Objektverlust im weitesten Sinne gesehen werden, „Urszene“ und Modell aller Auslösesituationen dürfte dabei die „Sich-trennende-Mutter“ sein bzw. das persistierende Gefühl des vom mütterlichen Objekt getrennt erlebten Selbst. Infolge dessen wird eine als diffuse wahrgenommene Separationsangst in der Betroffenen ausgelöst, die sich gelegentlich bis zur regelrechten Panik ausweiten kann. Diese Angst wird jedoch oftmals lediglich als ein „organismisches Unbehagen“ wahrgenommen, welches häufig nicht näher beschrieben werden kann und diffus bleibt. Die Tatsache, dass die auslösende Situation, welche die Trennungsangst hervorruft als ein somatisches Geschehen (Hunger) interpretiert wird, ist ein Beleg für die Tiefe der Regression, nämlich in eine frühe, infantile Phase, in der die Differenzierung zwischen Soma und Psyche noch nicht stattgefunden hat. Otto Fenichel und Karl Abraham zusammenfassend kann man den Hunger der Bulimikerin als Maske bezeichnen, hinter der sich eine „Gier nach narzißtischer [sic] Zufuhr“ [Ettl, 2001, 39] verbirgt, die jedoch vor dem Über-Ich versteckt werden muss [Vgl. Ettl, 2001, 39ff]....





Liebe User!

Willkommen im Login - Bereich des DWP, dem Herzstück unseres internationalen Onlinemagazins!

Hier können Sie nicht nur interessante Leute auf dem Gebiet der Psychoanalyse treffen, sondern vor allem die Leitartikel lesen, kommentieren und die einmalige Gelegenheit nutzen, den jeweiligen Autoren online immer eine Woche lang persönlich Fragen zu stellen, beziehungsweise mit ihnen zu diskutieren!

Um die Verbreitung des DWP zu unterstützen, bitten wir Sie darum einen einmaligen Betrag von 45.- Euro zu entrichten.

Falls Sie eine Webvisitenkarte bei uns besitzen, haben Sie gratis Zugang zu unserem Forum.

Gute Unterhaltung und viel Vergnügen!

DER WIENER PSYCHOANALYTIKER

E-Mail:

Passwort:

Melden Sie sich hier an!


Sigmund Freud Museum SFU Belvedere 21er haus stuhleck kunsthalle
warda network orange