A A A A
Wien, 28.05.2022, 06:50   DEUTSCH / ENGLISH




Angemeldet bleiben



(09.03.2016)
Teilen:


FALL VIGNETTE

Der Moment in dem ich mich mit dieser schwer depressiven und Selbstmord gefährdeten Patientin getroffen habe, wurde ich in der Sitzung mit Schwierigkeiten konfrontiert, nicht nur durch ihr trauriges und depressives Gemüt, sondern vor allem durch ihr Schweigen! Diese Patientin, ich werde sie von nun an Miss X nennen, sprach nicht. Sie stellte keinen Kontakt her – zumindest nicht durch das gesprochene Wort- und sie drückte nichts über ihre Gedanken, Ideen, Wünsche, Ängste oder Träume aus. Ihre Gegenwart brachte ein Gefühl der Affektlosigkeit hervor, als ob der Behandlungsraum nicht genug Sauerstoff hätte: wie ein schwarzes, leeres Loch!

Miss X, eine junge Frau - 23 Jahre - hat vor kurzem ihr College beendet, ist nach Hause zurückgekehrt und kämpft damit, einen neuen Rhythmus im Leben zu finden. Der Rat eines Freundes, der sie auf das Angebot des Psychoanalytischen Therapie Zentrum der Boston Graduate School aufmerksam machte, ermutigte sie eine Therapie zu beginnen. Nach meiner Frage warum sie eine Therapie machen wollte, sagte Frau X sie fühlte sich wie festgefahren, dass sie keinen Grund zum Leben hätte, kein Ziel, keine Richtung oder irgendeine Art der Zugehörigkeit fühlt. Sie meinte sie fühlte sich hilflos und abgegrenzt und sie hat angefangen mit dem Gedanken an Selbstmord zu spielen. Sie erklärte das mit einer schmerzhaft leisen Stimme, während sie wie ein freudloses Häufchen Elend dasaß. Ihr langes, gelocktes Haar verdeckte ihr Gesicht, der Blick gesenkt (auf ihren Schoß gerichtet). Ihre Arme waren mit langen Ärmeln bedeckt, ihre Hände sah man kaum, trotzdem schaffte sie es mit Ringen auf ihren Fingern zu spielen und ein Stück Stoff zu wenden und zu drücken, als ob sie jemanden den Hals umdrehen würde. Ich war in diesem Augenblick der Misere wie gefangen, auf der Suche nach Worten und um meine eigene Fassung ringend. Es war schrecklich, aber wir haben es irgendwie geschafft über dieses Erstgespräch hinwegzukommen. Wir einigten uns auf einen niedrigen Sitzungslohn und sie versprach wöchentlich zur Therapie zu kommen....



Liebe User!

Willkommen im Login - Bereich des DWP, dem Herzstück unseres internationalen Onlinemagazins!

Hier können Sie nicht nur interessante Leute auf dem Gebiet der Psychoanalyse treffen, sondern vor allem die Leitartikel lesen, kommentieren und die einmalige Gelegenheit nutzen, den jeweiligen Autoren online immer eine Woche lang persönlich Fragen zu stellen, beziehungsweise mit ihnen zu diskutieren!

Um die Verbreitung des DWP zu unterstützen, bitten wir Sie darum einen einmaligen Betrag von 45.- Euro zu entrichten.

Falls Sie eine Webvisitenkarte bei uns besitzen, haben Sie gratis Zugang zu unserem Forum.

Gute Unterhaltung und viel Vergnügen!

DER WIENER PSYCHOANALYTIKER

E-Mail:

Passwort:

Melden Sie sich hier an!


Sigmund Freud Museum SFU Belvedere 21er haus stuhleck kunsthalle
warda network orange