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Wien, 26.06.2016, 19:05   DEUTSCH / ENGLISH




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Leitartikel

Das starke Subjekt der Verhaltenstherapie und das tragische Subjekt der Psychoanalyse (Teil II)

Autor/in: Moritz Pohlmann

(Auch diesmal steht der Autor unseren Usern im Forum wieder eine Woche lang für Fragen und Diskussionen zur Verfügung!)

Das zweckrationale starke und das tragische schwache Subjekt in der Gegenüberstellung

Das tragische Selbstverständnis enthält somit eine andere Subjektvorstellung als das zweckrationale Selbstverständnis, in dem die (Kognitive) Verhaltenstherapie begründet ist. Aus der Perspektive des tragischen Selbstverständnisses wird das Subjekt im zweckrationalen Selbstverständnis einerseits in seiner Selbstverfügsamkeit, Selbsttransparenz und Selbstmächtigkeit überschätzt und andererseits in seinen subtileren Ausdrucksformen unterschätzt, übersehen und überhört:

-) Die Orientierung an einem starken zweckrationalen Subjekt in der Verhaltenstherapie verbunden mit der Annahme, dass das Subjekt in der Verfolgung seiner ihm bewussten Ziele aufgeht, macht plausibel, dass Verhaltens- und Erlebensmuster als Störungen aufgefasst und auf Störungen zurückgeführt werden, wenn das Subjekt seine bewussten Ziele nicht mehr zu realisieren schafft. Aus der Perspektive eines tragischen Selbstverständnisses hingegen erscheint eine solche Abspaltung des Subjekts von seiner Störung fragwürdig. Indem es unterstellt, dass der Mensch nicht Herr im eigenen Haus und nicht in der Verfolgung seiner rationalen Ziele aufgeht, mutet und gesteht es dem Patienten zu, in der äusserlichen Störung auch Intentionen zu verfolgen, die im oberflächlich angelegten Bedeutungszusammenhang vielleicht nicht kenntlich sind.

-) Indem das zweckrationale Selbstverständnis der Verhaltenstherapie eine Realität entwirft, die vom Subjekt prinzipiell durchschaubar und dadurch steuerbar ist, muss sie den äusserlichen Verlust dieser Steuerungsfähigkeit der Realität auf Defizite in der adäquaten Realitätswahrnehmung zurückführen. Das tragische Subjektverständnis behauptet eine solche Domestizierbarkeit der Welt qua Ratio nicht. Im Gegenteil unterstellt es dem Subjekt, in seiner individuellen Störung auf verdrängte anthropologische Befindlichkeiten und Bedürfnisse zu reagieren. Hinter dem, was in der Verhaltenstherapie als inadäquate Realitätswahrnehmung bezeichnet wird, steht demnach, um mit einem Ausdruck von Holzhey-Kunz (2002) zu sprechen, die «ontologische Hellhörigkeit» des Patienten.
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Feuilleton

Porn ist das neue Bio

Veranstaltung: BERLIN: Karl-Josef Pazzini: Il n' y a pas de rapport sexuel. Zum gesellschaftlichen Funktionswandel der Sexualität. Fundus Fachbuchhandlung für Psychotherapie und Psychoanalyse. 15.6.2016
Autor/in: Kai Hammermeister

„Gib’s mir härter!“ Der Satz schafft seinen eigenen Kontext. Wir sind in der Pornographie. Wer spricht? Mit wem identifiziert sich der Hörer? Leitet das Gesprochene über zum Bild oder kann es im Bereich des Symbolischen verbleiben? Oder ist es nicht vielmehr Kennzeichen des pornographischen Diskurses in Bild und Text, Sprache und Imaginäreres durchqueren zu wollen, um sich ins Reale einzuschreiben, den Körper zu affizieren, ihn zum Ausdruck zu zwingen in Saft und Tumeszenz?

Karl-Josef Pazzini spricht im Fundus, der Berliner Fachbuchhandlung für Psychotherapie und Psychoanalyse, über Pornographie. Seine These: Porn ist eine Struktur, bevor sie zum Inhalt wird, der dann ideologiekritisch und soziologisch analysiert werden kann. Zuerst einmal aber sind die Analytiker gefragt.

Wie so oft antworten sie mit Fragen. Pazzini überlegt, ob Pornographie eine eigene Sexualität produziert, ob sie existierende Sexualität stützt, ob sie bereits vorhandene Bilder als ein Gefäß in sich aufnimmt oder solche Bilder erst schafft oder diese ersetzt. Pazzini fragt viel und präzise, antwortet weniger, regt hauptsächlich an, sich aus psychoanalytischer und bildtheoretischer Perspektive mit der Pornographie zu beschäftigen (der obszöne Text ist für ihn ohne Interesse). Seine Thesen reißen an, schlagen Diskursbrücken, hinterlassen eine Spur, aber finden nicht
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Radio

Willkommen zur ersten psychoanalytischen Radiosendung live aus Wien!
UNBEWUSST- die Lust am freien Sprechen findet jeweils am zweiten Mittwoch jeden Monat auf Radio Orange 94.0, um 20 Uhr statt!
Die Sendungen können jederzeit HIER nachgehört werden.



Rätsel

Wo. 25/2016


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PODCAST der aktuellsten Radiosendung 
UNBEWUSST - die Lust am freien Sprechen
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Grossen Dank an das Österreichische Kulturforum PARIS!

Wir SUCHEN! 
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